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Zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus: Aufruf zur Verschlüsselung

Twister hat recht, wenn sie auf Telepolis „Schluss mit den Ausreden gegen Verschlüsselung“ fordert: „Wer verschlüsselt kommunizieren will, kennt das Problem: Die Mehrheit der Mailkontakte kann mit dem Begriff Verschlüsselung vielleicht etwas anfangen, nutzt sie jedoch nicht.“ Aber anstatt den Leuten mal richtig in den Arsch zu treten, Enigmail als Plugin im Thunderbird zu installieren, dreht der Artikel wie bei TP üblich ins Unsäglich-theoretisierende ab. Leider.

Die Frage wird gar nicht erst gestellt, wie man Kryptomuffel dazu bewegen kann, endlich ihre Mails zu verschlüsseln. Ein guter Anstoß wäre meiner Meinung nach, die eigenen Mails grundsäztlich zu signieren. Dann kann sie immer noch jeder lesen, auch wer keine Verschlüsselungssoftware auf seinem Rechner nutzt. Gleichzeitig wird aber auch in der Signatur mitgeteit: Ich habe Enigmail genutzt, um meine Mail zu signieren; wenn du das gleiche Programm bei dir installierst, können wir unseren Mailverkehr auch verschlüsseln.

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Giesecke, denkst du denn wirklich, dass jemand deine Mails lesen will? Zwar greifen CIA, das BKA und bestimmt noch andere Stellen Millionen Mails täglich ab. Aber gefiltert wird am Schluss (nach zig Rechnern) immer noch von einem Menschen. Kryptographie schön und gut – aber ob es jeder braucht?

Sehr schön auf den Punkt gebracht, Kollege Wagenhöfer, hat dies bereits Twister. Wer soll sich schon für meine Mails interessieren? Meine Oma war der Ansicht, Postkarten anderer Leute dürfe man lesen. Wenn der Absender gewollte hätte, dass seine Worte niemanden etwas angehen würde, hätte er sie in einen Briefumschlag gesteckt. Seltsame Einstellung.

Es geht doch nicht darum, ob ich wirklich etwas schreibe. Oder ob sich wirklich jemand für mein Geschreibsel interessiert. Die Frage ist doch, wieviel Privatheit hat man noch in dieser Gesellschaft. Und ja, ich kenne durchaus Fälle, in denen der Admin mal so in den Account oder Datenstrom geschaut hat. Ich habe keine Lust, dass er meine geheimen Neigungen entdeckt. Aber die behalte ich an dieser Stelle nun wirklich für mich.

Wie immer, Giesecke, so gilt doch auch in diesem Fall: Wer’s braucht der nimmt’s wer nicht der nicht. Aufzwingen kann man es niemandem. Mit deinem schönen PlugIn Enigmail habe ich mich heute übrigens beschäftigt. Für mich war Installation und Einrichtung kein Problem – aber deiner Oma würde ich das nicht zumuten, auf der Kommandozeile einen Schlüsselbund zu erstellen. Wenn die Programme richtig schön einfach werden und auch in der Erstinstallation „drin“ sind, würde ichs auch der alten Dame anvertrauen. Aber solange soll sie lieber Postkarten lesen.

Also, Wagenhöfer, meine Omas schreiben sich schon in einer anderen Welt E-Mails. Und meine Eltern haben nicht einmal einen Computer. Aber wollen wir wirklich darauf warten, neue Techniken einzuführen, bis sie jeder versteht? Mein Dad hat sich zwar lange geweigert, mit seiner EC-Karte zu zahlen. Jetzt schafft er es auch am Fahrkartenautomaten. Aber nur weil er zuvor viele Leute dort gesehen hat, für die das selbstverständlich ist. Also Wagenhöfer: Fang endlich an, deine Mails zu verschlüsseln, zumindest zu signieren. Dann werden auch die Omas folgen.

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