Bewährung bestanden: Bettina Rust im Talk der Woche

Es soll Theaterkritiker geben, die grundsätzlich nur die zweite Vorstellung besuchen und nicht die Premiere. Die Nervösität des ersten Auftritts sei dann verflogen, und es zeige sich, was die Darsteller wirklich drauf haben. Ihre zweite Chance bekam gestern Bettina Rust im Talk der Woche auf Sat1. Nach der ersten Sendung las man überall nur ein ‚ja, aber‘ oder ein ’sowohl, als auch‘. Diese Woche geht der Daumen klar nach oben. Sofern man ihren Stil überhaupt mag.

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Quelle: Sat1

Es scheint, Bettina Rust hat eine Woche harter Arbeit hinter sich. Das monotone „Okay“-Echo der letzten Woche hat sie sich abtrainiert. Die Gäste durften auch mal aus- und im Wortwechsel miteinander reden. Dennoch blieb sie die Drehscheibe im Gespräch. Schnelle Wechsel waren nach wie vor an der Tagesordnung. Dies ist das Konzept der Sendung. Mir gefällt es. Schon die Amoderation war ruhig(er) gesprochen. Bettina Rust hat ihr Maß gefunden. Aus einem Großteil der nervösen Hektik ist Agilität geworden. So ist sie halt. Man muss nicht jede ihrer Formulierungen gut finden, es saß auch nicht jede Formulierung, unter dem Strich ist ihr Stil aber sehr erfrischend. Vor allem durch ihre unkonventionellen Einwürfe.

Als Gäste waren wieder ein Politiker, ein Journalist und eine Medienschaffende geladen: Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, Spiegel-Autor Henryk M. Broder und Ex-Viva-Moderatorin Minh-Khai Phan-Ti. Eine Kombination, von der man meinen könnte, sie hätte sich nichts oder nur wenig zu sagen. Doch Bettina Rust wirkt auch hier als Gesprächskitt. Die Gäste sprachen miteinander und nicht aneinander vorbei. Es hätte auch anders kommen können.

Der Lohn war allerdings – wie auch im ersten Talk der Woche -, dass man nicht einen Talkshow-Einheitsbrei vorgesetzt bekam. Christian Wulff gab sich anfänglich zwar politisch aalglatt, eben im typischen Christiansen-Stil, doch er wurde zusehens offener, gerade auch in seiner Stoiber-Kritik. Allerdings weniger mit den üblich politischen, sondern mit ganz unerwarteten Argumenten.

Als Glückstreffer für die Sendung entpuppte sich allerdings Henryk M.Broder. Er übernahm die Rolle, die in der letzten Woche ungerechtfertigterweise Harald Schmidt zugedacht war. Broders Beiträge waren durch ihre Pointierung die Höhen im Gespräch. So etwas sieht man bei Christiansen nicht. Auch gestern abend nicht. Dort gaben Schlaftablette CSU-Glos und die beiden Ich-rede-Ihnen-mal-dazwischen SPD-Gabriel und FDP-Gerhardt nur das von sich, was man eh von ihnen erwartet hat.

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