Die Angst der PR-Abteilungen vor den Blogs

Die Financial Times Deutschland (FTD) erklärt ihren Lesern, was es mit den Weblogs auf sich hat. Viele Blogger werden sich nicht darunter befinden, eher solche, die sich vor Bloggern in Acht nehmen müssen: Verantwortliche in den Unternehmen. Denn solche haben bei Jamba! falsch eingeschätzt, was passiert, wenn man über die Kommentarfunktion in einem Blog (der geschätzte Spreeblick) versucht, Meinung zu machen. Man fällt auf die Nase damit. Aber die FTD erklärt auch das. Eine Anleitung für PR-Abteilungen? (via ConnectedMarketing.de)

Fernglas vor Strandlandschaft
Großes Geschütz für die paar Hanseln (Quelle: PhotoCase.de)

Die Metapher der Angst heißt Schwarmintelligenz. Wie in den 80er Jahren kolportiert wurde, der Flügelschlag eines Schmetterlings in Castrop-Rauxel könne einen Wirbelsturm im Pazifik auslösen, hat man nun Angst vor der E-Mail oder dem Blogeintrag, der ganze Herrscharen zu einer Gegenöffentlichkeit mobilisiert. Als Beispiel wird hier die Ölplattform Brent Spar genannt, deren Versenkung durch einen Boykott von Shell verhindert wurde (auch wenn das damals noch ohne Blogs ging). Eine Pressemitteilung oder Gegendarstellung reicht heute nicht mehr aus, um das aufmüpfige Volk in seinen Schranken zu halten. Lebe wohl, schöne Übersichtlichkeit.

Was würde denn passieren, wenn nach einer einstweiligen Verfügung der Provider einem unliebsamen Blog den Stecker zieht? Zwanzig andere Blogs hätten den Text in Null-komma-nix aus dem Google-Cache geholt und auf ihren Seiten veröffentlicht. Einen Blogeintrag ungeschehen zu machen, ist genauso unmöglich, wie das selbstgedrehte Sexvideo mit der Ex aus einer Filesharingbörse zu entfernen, nur weil sie reumütig wieder angekrochen kommt.

Was empfiehlt nun die FTD? Die PR-Abteilungen sollen Weblogs im Blick behalten und sogenannten A-Bloggern Rede und Antwort stehen. So wie sie dies schon mit gestandenen Journalisten tun (wobei es natürlich PR-Abteilungen gibt, die überhaupt nur sparsam Antworten geben; einen Gruß an Apple und die Deutsche Telekom). Im Neusprech nennt sich das dann „Issue Management„. Mit anderen Worten: Die PR-Abteilung soll ihre Aufklärungsabteilung vergrößern.

So kann es dann auch passieren, dass manches Weblog mehr Leser in den PR-Abteilungen hat als richtige Leser. Natürlich vorausgesetzt, das Blog ist eine solch ungeliebte Pflichtlektüre. Weil dort ein frustrierter, aber unbekannter Mitarbeiter bloggt. Oder weil die Spekulationen nur so ins Kraut schießen und als bare Münze ausgegeben werden. Sonst interessiert dies keine Sau, aber es könnte ja. Doch was passiert, wenn ein solcher, sprengstoff-getränkter Blogeintrag erst einmal identifiziert wurde? Das sagen weder die FTD noch das Issue Management. Also landet es doch wieder in der Rechtsabteilung. Blogger, seht euch vor!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.