Alt-Herren-Witze auf Telepolis

Wieso erhalten die Jusos bei der Wahl zum Studierendenparlament (ist dies der politisch korrekte Ausdruck?) unter den Mathematikern und Physikern eigentlich so viele Stimmen? Mancher Techie jedenfalls pflegt seine linke Haltung ein Leben lang, der Heise-Verlag tut dies auf Telepolis, dem Technik-Feuilleton unter den Onlinemagazinen. Vor ein paar Jahren noch waren dort eher libertinäre Töne zu hören, mittlerweile herrscht aber der raue Ton eines SPD-Ortsvereins. Getreu dem Motto: Treffen sich zwei Genossen in der Alt-Herren-Kneipe auf der Toilette…

Screenshot von Telepolis
Das Objekt der Begierde (Screenshot von Telepolis)

Und nun die abgeschmackte Pointe.

Screenshot von Telepolis
Hier geht mit Wolf-Dieter Roth die Fantasie durch. (Screenshot von Telepolis)

Dabei wollte Wolf-Dieter Roth doch nur eine Rückschau auf die diesjährige Funkausstellung zum Besten geben. Seine Rückschau. Denn Subjektivität ist – anders als bei der renommierten c’t – Trumpf, schließlich schreibt man fürs Internet. Also wird getestet, was das Zeug hält und wahrscheinlich gut ins Wohnzimmer passt. Habe ich selbst auch schon so gemacht.

Und dann muss Herrn Roth dieses Duschradio unter die Augen gekommen sein. Okay, wer so etwas anbietet, muss wohl oder übel damit leben, dass sich darüber das Maul zerrissen wird. Schließlich ist dies auch ein Vorteil in Zeiten der Aufmerksamkeitsökonomie. Telepolis weiß das. Aber diesen Radiodildo mit dem Bild einer Frau und einem schlüpfrigen Kommentar zu kombinieren, ist dann doch mehr als platt. Egal, ob politisch korrekt oder nicht. Da helfen auch die drei Fragezeichen nicht mehr. Es ist einfach schlechter Stil.

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Keine Kommentare

  1. Zumal es dann doch zwei unterschiedliche Firmen sind. Aber manchmal darf man auch an Niveau verlieren, Giesecke. Solange es nicht zu oft vorkommt. Ansonsten schreibt TP ja eher… langweilig. Da musste halt mal ein wenig Abwechslung rein. Kaufst du jetzt eigentlich das Radio?

  2. Was hat denn ein Dildoradio mit dem „rauen Ton eines SPD-Ortsvereins“ zu tun???

    Und Du meinst, Wolf-Dieter Roth hat dieses Radio getestet (an der abgebildeten Dame?) und nun im Wohnzimmer stehen?

    Wer ist hier eigentlich der alte Herr finde Deinen Kommentar jedenfalls konfuser als den Telepolis-Artikel. Danke für den Hinweis. Und zeigt mal wieder, die Leute lesen nicht, die gucken Bilder an. Nenns Aufmerksamkeitsökonomie, aber anscheinend hats gewirkt.

  3. So einheitlich schreibt Telepolis gar nicht mehr. Das liegt einerseits an den vielen Gastautoren aus dem wissenschaftlichen Bereich (daher dein Staubtrocken-Urteil), andererseits schreibt WDR noch schnoddriger, als wir dies früher bei onlinekosten.de getan haben. Ein bisschen Boulevard darf es gerne sein, aber das bitte mit etwas mehr Gefühl für Stil.

  4. @ Herbert

    Ich weiß ja nicht, ob du schon mal in einem SPD-Ortsverein warst? Da gibt es tatsächlich alte Herren, die jungen Juso-Frauen mit einem zotigen Spruch auf den Lippen die Hand auf den Hintern legen. Und wie ich nun von Telepolis auf SPD komme? Tja, das muss wohl am erhobenen Zeigefinger liegen, die beide vor sich hertragen. Zugegeben, da wurden alle mal ordentlich über einen Kamm geschert.

  5. Tja, wußte nicht, daß die SPD gerade für besondere Zotigkeit bekannt ist – halte mich von allen Parteiversammlungen fern 🙂 sind eher unsexy auch ohne alte Herren.

    WDR schafft es normal, auch diffizile Themen dieser Art so anzupacken, daß es mir nicht unangenehm auffällt. Denke, ein solches Gerät hätten andere mehr durch den Kakao gezogen als mit einem flapsigen Kommentar. Oder die komische Ficken-für-den-Regenwald-Truppe. Da hätte ich den Moralischen gekriegt – entweder gegen Intoleranz oder groben Schwachsinn 😉

    Onlinekosten? Aua. Wenn Du meinst, Telepolis ist schlimmer als Onlinekosten, ist das tatsächlich ein vernichtendes Urteil. Oder Onlinekosten war früher anders. Kenne aber auch nur ein paar ziemlich abgestürzte Meldungen, les das normal nicht.

  6. O ja, bei anderen Seiten zieht sich der Kakao noch länger. Aber bei Telepolis habe ich schon ein wenig Anspruch. Und da sticht die eine oder andere Zote dann doch hervor. Bei mir ist sicherlich auch ein wenig Trauer im Spiel, dass sich Telepolis in den letzten Jahren so gewandelt hat. Habe ich mich ja auch. Die frühere Reihe zur Aufmerksamkeitsökonomie fand ich klasse, aber ob ein Oppositionsradiosender in Griechenland geschlossen wird, interessiert mich herzlich wenig. Auch nicht, was WDR an technischen Geräten testet. Das lese ich lieber in der c’t vom Fachmann.

  7. Hm, also bei Funk und Radio ist WDR aber Fachmann. Mehr als die c’t, denn Computertechnik ist das Ganze zwar inzwischen auch, aber es ist nicht grad das, worüber die c’t schreiben würde. Deshalb ist er doch mit einem Sender, der so ähnlich heißt, aneinander geraten, weil die meinten, das sei verwechslungsfähig. Eher erstaunt mich, daß er nun auch politisch geworden ist.

    Naja, die Berichte aus Griechenland etc. tangieren mich auch nur peripher. Finde sowas aber wichtig, gerade wenn die in diesen Ländern sowas eben grad nicht schreiben können. Klicke es dann halt nicht an, wenns mich nicht ineteressiert. Telepolis ging halt immer schon über Deutschland hinaus. Und manches Thema fand man bis vor kurzem 3 Wochen später im Spiegel (inzwischen ist SpOn so schlecht geworden, daß ich den nicht mehr lese…).

  8. Kann ich so leider nicht bestätigen. Bei Funk und Radio hole ich mir meine Infos doch eher aus anderen Quellen. Aber das ist wohl auch nicht der Ansatz von Telepolis. Da geht es mehr um Zusammenhänge, das was hinter der Technik liegt – und eben um Politisches. Deshalb haben selbstverständlich auch Artikel ihre Berechtigung, die nicht von jedem gelesen werden. Aus meiner Sicht haben die nur Überhand genommen. Leider.

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