Bilderstrecken im Nichts aufgehangen

Das sind Sätze, die man öfter lesen möchte: „Lange funktionierten Regierungsbündnisse wie eine sehr traditionelle Ehe: Ein größerer Partner nahm sich einen kleinen.“ Schön formuliert. Eben die FAZ.

Um diesen Satz herumpositioniert ist ein Nichts. Ich weiß, es soll eine Bildstrecke folgen. Das steht dort aber nicht. Ich schaue hin und komme zu dem Schluss, dass ich das Bild anklicken muss. Es funktioniert. Mein betagter Vater wäre wahrscheinlich nicht darauf gekommen. Auch das ist die FAZ. Leider.


Muss ich was klicken?

Im Online-Journalismus wird nach neuen Formen gesucht. Sehr beliebt ist gerade die Bilderstrecke, wo jedem Bild nicht bloß eine Zeile Text, sondern gleich ein langer Absatz Hintergrundwissen mitgegeben wird. Kann man machen, muss man aber nicht.

Das Problem dabei ist, dass diese ’neuen‘ Formen in einem sehr alten Rahmen eingebunden sind. Da wird im Redaktionssystem ein neuer Artikel aufgemacht und darin irgendeine Brücke gebaut, die zu der neuen Form führen soll. Das kann auch ein Video sein, von dem man nur ein Standbild sieht. Dieses soll für sich sprechen.

Ich habe bereits erwähnt, dass es mich nervt, wenn ich aus meinem Feed-Reader heraus, zehn Artikel öffne, um sie der Reihe nach zu lesen und plötzlich fängt einer zu dudeln an, weil es sich um ein Video handelt.

Es fehlt immer noch an Ideen, wie man Videos, Bilderstrecken und andere neue journalistische Formen in das alte Textmedium Newsportal integriert. Ich bin jedes Mal enttäuscht, wenn ich einen Artikel voller schöner Sätze wie den oben zitierten erwarte und dann nur ein paar Seiten Luft angeboten bekomme.

Die Bilderstrecke habe ich mir übrigens nicht angeschaut. Kein Bedarf.

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