Günther Jauch: Fremd in der ARD

Gestern abend lief zum ersten Mal die neue Talkshow von Günther Jauch in der ARD. Wer bisher Sabine Christiansen und Anne Will an dieser Stelle schaute, wird sich fremd vorgekommen sein. Das Studio, die Farben, die Jingles, es schmeckte ein wenig nach RTL, zumindest nach stern tv.

Auch das Konzept ist ein anderes, sofern das beim Korsett einer Talkshow überhaupt möglich ist. Günther Jauch bewegt sich durch das Studio, bindet in die Runde der Talkgäste persönliche Schicksale durch Einzelgespräche ein. Das ist einer seiner Stärken.

Ihm gegenüber sitzen dann Menschen, die nicht medienerprobt sind. Das kann Fremdscham auslösen, aber auch schön menscheln, bis die Tränen kullern. Gersten hat er zuerst ein wenig, dann aber richtig Glück gehabt.

Diese gute Wahl ist sicherlich auch ein Verdienst seiner Redaktion. Alles schaut auf den Moderator, die eigentliche Arbeit machen aber die ganzen Zuträger dahinter.

Günter Jauch kann zwar zum richtigen Zeitpunkt die richtige Frage stellen (das hat er auch gestern bewiesen, der Mann hat ein erstaunliches Timing), die Fragen hat man ihm aber aufgeschrieben. Nur mit dieser Vorleistung konnte er das Thema rasch von einem Punkt zum nächsten treiben. Diese Wendigkeit fehlt anderen Talkshows meist.

Das Feld gestern war aber viel zu groß, das Thema bot sich an und war auch nicht allzu kontrovers für eine erste Sendung. Erst in den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob er es schafft bzw. seine Redaktion, auch mehr ins Kleinteilige verlaufende Themen angemessen aufzubereiten und zu moderieren.

Auf Dauer werden die Zuschauer aber nur zufrieden sein, wenn sie etwas lernen, nicht nur, wenn sie gut unterhalten werden. Ich weiß nicht, ob das RTL-Niveau dafür reicht. Über Klinsmann verliere ich an dieser Stelle einfach mal kein Wort.

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