Googles Semantik

Die Werbung, PR-Leute und Politiker können etwas besonders gut: viel erzählen (auch auf unterhaltsame Weise), aber nicht unbedingt das, was man zu Beginn wissen wollte. In diese Richtung könnte auch Google gehen. Dem Wall Street Journal zufolge sollen die Suchergebnisse in den nächsten Monaten neu aufbereitet werden und dabei auch direkte Antworten liefern statt bloß Links.

Das geht auch jetzt schon. Die Suche nach „10 USD in EUR“ liefert eine Währungsumrechnung zum aktuellen Tageskurs. Die semantische Suche wird auch mit vielen typischen Wikipediafragen funktionieren: wie hoch das Empire State Building ist oder wo der aktuelle Weltrekord im Weitsprung liegt. Ein erstes Problem entsteht dort, wo das Ergebnis der Frage kein Link auf ein Lexikon ist, sondern auf ein kommerzielles Angebot.

Die Suche nach einem Autoren und einem Buchtitel liefert jetzt einen Link jeweils zu Amazon, zu einer Rezension in einer angesehenen Tageszeitung und zu Wikipedia. Mit Google Books ist der Suchmaschinenbetreiber aber auch ein Konkurrent von Amazon. Hier kann man Informationen zu einem Buch finden, oft sogar eine Leseprobe – und es letztlich auch kaufen. Dieses Einstreuen von Googleprodukten in die Suchergebnisse nennt man vertikale Integrationen. Auch das gibt es schon seit einiger Zeit.

Ergebnisse für die Masse

Die erste Seite der Suchergebnisse wird also immer seltener nur aus zehn blauen Links bestehen. Neben diesen Links, die von Googles Suchalgorithmus quasi objektiv bestimmt werden, findet man dort dann viele andere Dinge, die die Besucher im Google-Imperium halten sollen. Google verdient sein Geld letztlich mit Werbung. Ursprünglich sollten Googlenutzer zufriedene Nutzer werden, indem sie möglichst schnell die Antwort finden und die Website wieder verlassen.

Die neue Mischung der Suchergebnisse wäre auch nicht schlimm, wenn diese dadurch besser würden, wenn man also eher das finden würde, was man sucht. Bisher ist das nicht so. Die semantische Suche ist ein maschinelles Verstehen. Im Einzelfall mag das funktionieren, wenn Google erkennt, ob man mit „Jaguar“ das Tier oder das Auto meint. Ein Verständnis für den individuellen Fragesteller ist dies aber nicht. Hier kommt ein Algorithmus zum Einsatz, der seine Daten aus der Masse bezieht und daher auch bloß eine Lösung für die Masse bietet.

Google liefert nach wie vor brauchbare Ergebnisse. Die klassischen Suchergebnisse sind nicht weg, sie rutschen lediglich nach unten beziehungsweise auf die nächste Seite. Man wird mehr klicken müssen, um über Google ans Ziel zu kommen. Eine schlichte Alternative – so wie Google früher war –, ist DuckDuckGo.

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