Wenn Facebook Opera kauft

16 Milliarden Dollar hat Facebook mit seinem Börsengang eingenommen. Was machen die jetzt damit? Die Medien machen daraus Meldungen. Das ist fast schon ein Reflex. Und weil das alle so machen, tituliert man die eigene dann gerne exklusiv. Pocket-lint meldet, dass Facebook den Browser-Entwickler Opera kaufen will, versieht dies allerdings noch mit einem Fragezeichen. Der Bericht beruft sich lediglich auf eine Quelle, die selbstverständlich vertrauenswürdig ist und in der Vergangenheit auch immer war. Oder so ähnlich. Aber darum geht es auch gar nicht.

Wer die Welt gerne großräumig vermisst, wird jetzt von einem Facebook-Browser faseln, der gegen Googles Chrome antritt. Blabla. Ich aber kotze, weil ich meine E-Mails bei Opera liegen habe, genaugenommen bei der Operatochter Fastmail. Ich würde bei einem Operakauf durch Facebook sofort meinen E-Mail-Provider wechseln – obwohl ich dort schon für drei Jahre im Voraus bezahlt habe und mir durch ein paar Affiliatelinks auf Netzausfall die Möglichkeit erworben habe, den kostenpflichtigen Account ein paar Jahre darüber hinaus kostenfrei zu nutzen.

Dann habe ich noch meine Adressen bei Fastmail liegen. Google nutzt solche Daten bereits, um Google+ neue Nutzer zuzuführen. Die Datenbasis bei Fastmail dürfte nicht so groß sein, dass sie für Facebook interessant wäre, aber Facebook ist ebenfalls an Adressbüchern interessiert, um einen sozialen Graphen auch von Nichtmitgliedern konstruieren zu können. Facebook weiß bereits viel über Nutzer, die sich gerade angemeldet haben, ohne dass bereits eigene Daten eingegeben wurden.

Viel, viel Zeit

An diese Daten gelangt Facebook nicht nur durch Nutzer, die ihre Adressbücher bewusst hochladen, um möglichst viele Verbindungsmöglichkeiten zu finden, auch einige Apps auf dem Smartphone gewähren Facebook einen Blick auf die Handydaten. Die mobilen Geräte werden immer wichtiger, um kontinuierlich Daten zu sammeln. Die gelegentliche Sitzung am Desktoprechner reicht schon längst nicht mehr aus. Mit einem Kauf von Opera würden auch die Handybrowser Opera Mini und Opera Mobile in die Hände von Facebook fallen. Auch das fände ich bedauerlich, da ich auf einigen Geräten den Opera Mini nutze. Aber es gibt durchaus Alternativen. Der Wechsel wäre kein Problem.

Beim Wechsel weg von Fastmail wäre es auch gar nicht schade um das Geld, sondern um die Zeit, die es dauert, ein Adressbuch von einem Anbieter zum anderen zu übertragen. Dafür gibt es Import- und Exportfunktionen, doch leider wird der Vcard-Standard immer ein wenig abweichend interpretiert, sodass ich dann doch jeden einzelnen Kontakt durchgehen und in beiden Umgebungen vergleichen müsste. Bei einigen hundert Adressen ist das eine Menge Arbeit. Und schließlich bleibt noch die Frage: Wohin wechseln?

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