Die Grenzen der All-Net-Flatrates

Ich warte nur darauf, dass den ersten Heavy-Usern der neuen günstigen All-Net-Flatrates wieder gekündigt wird. Das wird aber noch ein wenig dauern. Das Muster ist aber immer gleich: Es wird eine Leistung für einen pauschalen Preis angeboten, die als Vorleistung auf der Basis von Einheiten eingekauft wird. Diese Mischkalkulation funktioniert, wenn es genug Kunden gibt, die nur wenig verbrauchen. Pauschaltarife, die neu auf dem Markt sind, ziehen jedoch Heavy-User an wie das Licht die Motten. Was haben vor zehn Jahren die DSL-Anbieter den Internetzugang gedrosselt und einzelne Kunden rausgeworfen beziehungsweise rausgeekelt?

Die Mobilfunker hatten eigentlich daraus gelernt. Was sie als Internet-Flatrate verkaufen, ist ja keine Flatrate im strengen Sinn. Diese ist zwar in Zeit und Volumen unbegrenzt, doch mit der Drosselung haben sie eine Stellschraube eingebaut, die die Nutzung dann doch nicht ausufern lässt. Sie haben das dann auch so geschickt verpackt, dass die Nutzer es akzeptiert haben. Darin zeigt sich dann wohl auch der eigentliche Lernprozess: Der Fortschritt liegt nicht im neuen Tarif, sondern in der Kommunikation. Mit den neuen All-Net-Tarifen können sie in dieser Hinsicht nur verlieren.

Wem wird die Leitung weggenommen?

Wenn die ersten Anbieter die Gespräche unterbrechen, werden die Proteste losgehen. O2 macht dies bereits beim O2 on Business alle zwei Stunden. Aber das sind Geschäftskunden und keine 20-jährigen, die mit ihrer Freundin telefonieren wollen. Und irgendwann wird es auch die ersten Kündigungen geben oder zumindest Abschaltungen bis Ende des Monats. Es wird eine De-facto-Grenze geben, die bei 2.000, 3.000, 5.000 oder 10.000 Gesprächsminuten liegen wird. Die Mobilfunker werden auf ihre AGB hinweisen, die gebeutelten Nutzer werden ihre Stimme in den einschlägigen Onlinemagazinen erheben, aber auch – und das ist neu – in den sozialen Netzwerken.

O2 hatte im letzten Jahr Probleme mit Engpässen in Großstädten. Da gingen zu viele Leute zur gleichen Zeit online. Vor ein paar Jahren hatte E-Plus das gleiche Problem mit Telefonaten. Beide Unternehmen haben dadurch einen Imageschaden erhalten und behalten.

Dabei ist es noch leichter, eine Internetverbindung den Netzanforderungen anzupassen. Trafficshaping nennt sich das. Jedem wird in Stoßzeiten ein wenig Bandbreite weggenommen, und schon können ein paar Kunden mehr online gehen. Bei Telefonaten, die kanalbasiert aufgebaut werden, geht das nicht. Für jede Leitung, die ein Heavy-User zu viel belegt, muss ein normaler Kunde mit dem Besetztzeichen vorlieb nehmen. Auch von dieser Seite drohlt also Ungemach. Wem gibt man die Leitung? Wem nimmt man sie weg? Vielleicht werden die Mobilfunker in diesem Punkt auch kreativ.

Lediglich eine Viertelstunde am Tag

O2 scheint aus seinen Fehlern gelernt zu haben. Zwar wird Geschäftskunden eine günstige All-Net-Flatrate angeboten, die dürfte allerdings mangels Masse nicht die Netze verstopfen. Über die Tochter Fonic wird in Konkurrenz zu den neuen All-Net-Flatrates anderer Mobilfunk-Discounter aber keine eigene angeboten, sondern ein Tarif der lediglich viele Inklusivminuten enthält, dafür aber auch günstiger ist.

Der Tarif „Fonic Smart“ wird um 13 Euro im Monat günstiger. (Per Pressemitteilung angekündigt, auf der Website findet sich aktuell noch der alte Preis.) Statt 29,95 Euro kostet er nur noch 16,95 Euro. Enthalten sind 500 Freieinheiten, also 500 Freiminuten, wenn man ausschließlich telefoniert. Jede weitere Minute oder SMS kostet 9 Cent. Die Daten-Flatrate wird nach einem Datenverbrauch von 500 MB auf GPRS-Geschwindigkeit gedrosselt.

500 Minuten im Monat entspricht gerade einmal einer Viertelstunde pro Tag. Für 3 Euro mehr bekommt man woanders eine Flatrate für Telefonate in alle Netze. Und das sind Anbieter, die sich vom übrigen Preisniveau durchaus mit Fonic vergleichen lassen. Wer also jeden Tag drei, vier Stunden telefoniert, so meine Prognose, dürfte ziemlich bald Probleme mit seinem Anbieter bekommen.

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