Die Unübersichtlichkeit von faz.net und ZEIT Online

Ein Newsportal ist ein Newsportal ist ein Newsportal. Ich habe immer wieder darüber geschrieben, wenn es ein Redesign gab – Spiegel Online, faz.net und sueddeutsche.de –, aber das hat mich immer nur aus der Sicht desjenigen interessiert, der Newsportale gestaltet. Nachrichten habe ich über die Startseite solcher Portale lange nicht gesucht, ich habe diese per RSS abonniert und bin direkt zu den einzelnen Artikeln gesprungen. Das ist jetzt anders. Während ich nach einem Redesign bloß Kritik geäußert habe, bekomme ich jetzt manchmal das Kotzen.

Ich weiß nicht, ob es heise online erfunden hat, aber deren 7-Tage-News halte ich für vorbildlich. Die Nachrichten eines Tages befinden sich übersichtlich in einem Block, die einzelnen Überschriften sind gut zu lesen und gut zu verstehen. Wenn man diese Seite regelmäßig aufruft, weiß man, wie weit man die Nachrichten zurück scannen muss. Einfacher geht es nicht.

Wie ich gestern geschrieben habe, lese ich die Portale mit vielen Nachrichten pro Tag nicht mehr über RSS. Ich lasse mir abends um sechs von IFTT eine Erinnerung schicken, dass ich eine Handvoll dieser Portale per Link aufrufe und dort nach neuen Nachrichten schaue. Dabei führen die Links nicht auf die Startseite, sondern in die einzelnen Ressorts, aber so richtig praktikabel ist auch das nicht.

Schlecht sortiert

Auf Zeit Online schaue ich in das Ressort Politik Deutschland. Das Problem: Es gibt nur eine Startseite und die Schlagzeilen, aber keine chronologische Liste aller Nachrichten aus diesem Ressort. Die Rotation auf der Startseite ist so langsam, dass ich oft den Eindruck habe, es befinden sich dort noch die gleichen Meldungen wie am Vortag. Warum rufe ich sie dann täglich auf?

Es gibt auch so etwas wie die 7-Tage-News, nur schlecht gemacht. Auf Zeit Online heißen diese Schlagzeilen. Man kann sie nach Uhrzeit oder nach Ressort sortieren. Da 40-50 Nachrichten pro Tag veröffentlicht werden, ist die Sortierung nach Uhrzeit nur etwas für jemanden, der wirklich aktuelle News im Blick behalten will. Aber wenn das der Fall ist, sollte man am besten auf das schnellste der deutschen Newsportale schauen: Spiegel Online hat auch Schlagzeilen und dazu noch eine sehr gute Rotation auf der Startseite.

Was ist nun, wenn man auf Zeit Online die Schlagzeilen nach Ressort sortiert? Zuerst einmal wird nicht zwischen Politik Deutschland und Politik Ausland unterschieden, alles landet in einem Topf. Da ich persönlich Themenbereiche im Sinne einer „Information Diet“ ausblenden möchte, ist dies ärgerlich. Auf jeder Seite sind auch bloß zwei Tage abgebildet, dann muss man umblättern, was unpraktisch ist, falls jemand wirklich eine Wochenübersicht sucht. Anders als heise online bringt Zeit Online hier auch die Dachzeile mit ein, die dazu noch rot und fett gesetzt ist. Die Zeile lässt sich nicht gut als Ganzes lesen und damit leider auch nicht gut verstehen.

Unübersichtlich

Ich würde hier auch das Feuilleton lesen, das es in der Onlineausgabe aber nicht gibt. Der Bereich Kultur enthält die ernsten Themen, dann gibt es noch Gesellschaft, Lebensart und Meinung, jeweils wieder mit Unterbereichen. Einige dieser Unterbereiche habe ich noch per RSS abonniert, da sie so selten bestückt werden, dass es sich nicht lohnen würde, täglich nachzuschauen.

Parallel dazu lese ich die Onlineausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dass ich das neue Drei-Spalten-Layout von faz.net unpraktisch finde, habe ich bereits geschrieben. Zwei Spalten mit Nachrichten konkurrieren um Aufmerksamkeit, dazu noch Werbung. Das Auge hat nicht genug Fixpunkte, um nach Neuem zu scannen. Das Hochformat einer gedruckten Zeitung lässt sich eben nicht so einfach auf dem Querformat eines Bildschirms abbilden.

Auf faz.net lese ich das Ressort Politik Inland. Hier finden sich oben einige Topmeldung im schwindelig machenden Zwei-Spalten-Design, darunter sind die restlichen Meldungen chronologisch aufgelistet. Die Topmeldungen werden dort aber ausgespart. Anders als bei der Zeit kann man sich hier nun von Seite zu Seite auch durch ältere Nachrichten hangeln. Davon mal abgesehen, dass mir die eine oder andere Topmeldung an mehreren Tagen unter die Augen kommt, ist diese Vorgehensweise durchaus praktikabel.

Login ohne Mehrwert

Anders ist das Feuilleton von faz.net aufgebaut. Oben befinden sich einige Topmeldung, darunter Blöcke für die einzelnen Unterbereiche, aber nur mit jeweils drei Einträgen. Eine Übersicht gibt dies nicht, dafür muss man die Schlagzeilen Feuilleton anklicken, die es ganz unten auf der Seite gibt, in meiner täglichen Erinnerungsmail ist dies der Link. Hier erscheinen alle Meldungen des FAZ-Feuilletons chronologisch aufgelistet, sogar mit Textanriss und kleinem Bild. Warum es solche Schlagzeilen nicht für das Ressort Politik Inland gibt, ist mir schleierhaft.

Dann hatte ich gehofft, dass man nach einem Login seine persönlichen Präferenzen hinterlegen kann und dann nur noch die Nachrichten beziehungsweise Themen geliefert bekommt, die einen interessieren. Bei „Mein faz.net“ habe ich dies ausprobiert, obwohl es für mich persönlich immer eine hohe Hürde ist, mich irgendwo anzumelden. Leider sagt faz.net auch vorher nicht, was der Login bringt.

Es war enttäuschend: Man kann sein Abonnement von Papier oder E-Paper mit der Präsenz auf faz.net verknüpfen und erhältlich selbstverständlich nach einem Login Zugriff auf die Kommentarfunktion. Es gibt Newsletter für verschiedene Themen, die allerdings nur zu bestimmten Zeiten ausgesendet werden, aber keine maßgeschneiderte Zeitung, wo man einzelne Bereiche ausblenden und anderen dafür mehr Raum geben kann. Ich habe mich dann umgehend wieder abgemeldet.

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