Der Unternehmensberater geht nicht ins Internetcafé

Sommer, Regen, Urlaubszeit. Bloß weg hier. Urlaub ist Abstandnehmen. Nur wovon? Vom Regen natürlich! Ansonsten muss alles mit. Das ganze hiesige Leben. Vor allem die Technik. 70 Prozent stecken das Handy ein, 25 Prozent Laptop oder PDA. Mehr als ein Drittel benötigt am Strand sogar ein Foto-Handy (wozu eigentlich?). 27 Prozent wollen für die lieben Kollegen erreichbar sein. Weit mehr noch für Mutti.

Mann am Strand
Surfen am Strand, auch das geht (Bild: PixelQuelle.de)

Woher ich das alles weiß? Von Mummert Consulting, einem in jeder Onlineredaktion gern gesehenen Lückenfüller. Mundgerecht serviert in Form einer appetitlichen Pressemitteilung, gespickt mit handfesten Zahlen und ermittelt in einer „Internet-Trendumfrage“. – Aber was bitte schön ist eine Internet-Trendumfrage? Nach einer repräsentativen Erhebung hört sich das nicht gerade an. Die Seiten von Mummert geben auch nicht viel her, die Pressemitteilung ist noch nicht online und ich bin nicht mehr im Verteiler. Meine Infos hier stammen von Golem (keine Kritik an euch, Jungs).

Was macht der Deutsche nun mit seinem Laptop am Strand? Etwa im Internet surfen statt auf dem Wasser? Dann benötigt er einen WLAN-Hotspot in Reichweite. Und der kann teuer werden. Es sei denn, man ist wichtig (zum Beispiel Unternehmensberater) und die Firma zahlt. Wieso veröffentlicht Mummert Consulting nun eigentlich Pressemitteilungen über die Urlaubsgewohnheiten der Deutschen? Warum wird in der Internet-Trendumfrage ermittelt, wer sein Handy mitnimmt, aber nicht wer ins Internetcafé geht?

Anscheinend ist Mummert Consulting eine dieser Firmen, die ihren Leuten den WLAN-Zugang auch am Nordseestrand zahlt. Warum sollten sie sonst auch vergessen zu fragen, wer sich ins Internetcafé setzt, um dort seine Urlaubspost zu schreiben? Mummert Consulting ist schließlich auch eine Unternehmensberatung, die können es sich leisten. Die verdienen ihr Geld durch … wodurch eigentlich? Durch die Beratung holländischer Internetcafés? Sicherlich nicht. Durch die Bestückung deutscher Betriebe mit Handy, Laptop und PDA? Das schon eher.

Mummert interessiert es gar nicht, wie die Deutschen im Ausland kommunizieren, sondern welche Geräte sie besitzen (in den Urlaub mitnehmen) und besitzen wollen. Das Internet ist voller Tipps, wie man im Ausland das Handy am besten nutzt, das Handy kommt einfach mit. Seit Jahren schon. Nur ob die Leute wirklich online sind oder ob sie den Kontakt in die Heimat abreißen lassen, das weiß auch Mummert nicht. Dabei hätte ich gerne gewusst, ob es schon Leute gibt, die im Urlaub über ihre deutsche VoIP-Nummer zu erreichen sind. Aber vielleicht erzählt mir Mummert das in ein paar Jahren, wenn das Geschäft mit den VoIP-Geräten richtig angelaufen ist.

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Keine Kommentare

  1. Es spricht doch nichts dagegen, zwischen Frühstück und Strandgang eine halbe Stunde News- und E-Mails-checken einzulegen, oder? Und außerdem: Abschalten kann man auch mit Smartphone in der Tasche. Man muss halt nur die nervigen Anrufer wegdrücken. Am besten solchen Leuten erst gar nicht die Nummer geben. Dann hat man auch daheim mehr Ruhe.

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