eBay, Skype und das Ich-AG-Call-Center

Nichts ist geiler als eBay. Es gibt einfach alles zu kaufen. Und eBay ist schnell: einfach kurz vor Auktionsende einloggen, ein cleveres Gebot abgeben, und in drei, zwei, eins ist das Schnäppchen auch schon meins. Manch Powerseller erwirtschaftet auf diese Weise sogar seinen Lebensunterhalt. Den ganzen Tag vor dem Rechner sitzen, mit der Digicam rumspielen, neue Angebote einstellen und per E-Mail die Fragen der potentiellen Käufer beantworten. Einmal am Tag zur Post, die Päckchen wegbringen, und auf dem Rückweg geht’s noch beim Eismann vorbei. Cool!

eBay & Skype
Die eBay-Zukunft: Verkäufer auf ständigem Abruf (Bild: Skype)

Wer damit noch nicht ausgelastet ist, darf sich nun auf Skype freuen. Das Aktionshaus hat den VoIP-Anbieter gekauft, obwohl es auf den ersten Blick nicht ins Portfolio passt. eBay hat weder einen E-Mail-Dienst, noch betreibt man einen Instant-Messaging-Netzwerk.

Mit Skype will eBay zum einen in einen neuen Bereich expandieren, den Dienst aber zugleich für das bestehende Angebot nutzen. So soll Skype die Kommunikation zwischen Verkäufern und Käufern auf eBay vereinfachen und wird dazu direkt in eBay integriert.
Quelle: Golem

Wer eine Frage zum angebotenen Artikel hat, kann diese demnächst also auch persönlich stellen – per Skype. Zumindest die großen gewerblichen Verkäufer werden sich nicht davor drücken können, einen Skype-Button auf ihrer Angebotsseite unterzubringen. Willkommen bei Skype, dem Call Center zum eBay-Shop. Es ist rund um die Uhr besetzt, und wehe nicht, dann hagelt es negative Bewertungen.

Dank Internet lässt sich ein Onlineshop allein betreiben, und die ganze Welt kann dort einkaufen. Dank ständiger persönlicher Erreichbarkeit wird sich dies aber anfühlen, als ob alle Kunden des KdW persönlich im Tante-Emma-Laden vorbeischauen. Drei, zwei, eins, schon ist die Pinkelpause vorbei, das VoiP-Telefon klingelt.

Effizientes Arbeiten wird so nicht mehr möglich sein. Gerade das war bisher der Vorteil des eBay-Verkäufers. E-Mails mit Fragen werden einmal am Tag bearbeitet, notfalls auch mit Copy&Paste-Antworten (sofern sie passen). Demnächst sitzt man mit dem Headset auf dem Kopf vor dem Rechner und dreht Däumchen oder durch – abhängig davon, ob nun zu viele oder zu wenige Anrufe reinkommen. Der eBay-Verkäufer degeneriert zum Ich-AG-Call-Agent. Da lässt sich nur hoffen, dass eBay den Skype-Button nicht zur Pflicht macht.

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Keine Kommentare

  1. Das Problem bei Google ist, dass die sich zwar für vermeintliche Underdogs interessieren, aber nur dann, wenn sie das Potential haben, Marktführer zu werden. Siehe Firefox. Google kämpft gegen das monopolsüchtige Microsoft, kann die Fensterlbauer aber nur dann schlagen, wenn die eigenen Dienste und Programme noch besser und somit ebenfalls (zumindest potentiell) marktbeherrschend sind. Skype taugt meiner Meinung aber nicht dazu. SIP wird sich wohl bei Voice-over-IP durchsetzen. Dank Unterstützung der Telcos und deren Kundenmassen.

  2. Zumindest in Deutschland. Gerade in den USA scheint aber Skype wirklich eingeschlagen zu haben. Auch in der E-Sport-Szene wird es anscheinend häufig genutzt – als Alternative zu Teamspeak zum Beispiel. Das, was Skype nocht nicht kann ist, sich auch mit VoIP-fähigen Routern verbinden. Wann kommt jetzt also der erste eBay-Skype-VoIP-Wireless-DSL-Router?

  3. Heute, 2 Jahre später, folgt die Ernüchterung. eBay zahlt insgesamt nur 3/4 des Preises und die Skype Gründer gehen. Schade, die Synergien sahen bei erstem Hinsehen vielversprechend aus.

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