Ein ganzes Buch als RSS-Feed lesen?

Meine Mutter macht sich ja schon Sorgen um die Haltbarkeit meiner Augen, wenn ich nur ein paar Stunden vor dem Rechner sitze. Aber zum Glück gibt es noch genug Texte auf Papier. Die Wochenzeitung meines Vertrauens und ein schönes Buch zum Beispiel. Die sind auf dem Sofa und in der Hand immer noch praktischer als der schwere und warme Laptop auf dem Schoß. Da können nicht nur die Augen im Mitleidenschaft gezogen werden.

Cover des RSS-Buches
Hat das RSS-Feed ein Cover? Oder einen Klappentext? (Bild: craphound.com)

Dennoch gibt es immer wieder Versuche, auch lange Texte auf den Bildschirm zu bringen: das E-Paper als Kopie der Printausgabe oder sogar ein ganzes eBook. Statt blutender Augen gäbe das bei mir allerdings eher einen verspannten Rücken. Zur Buchmessen gibt es jetzt was Neues: das Buch als RSS-Feed. Jeden Tag ein paar Seiten. Someone Comes to Town. Someone Leaves Town. Nie davon gehört. (via RSS Blogger)

Dennoch frage ich mich, wer das lesen soll. Wenn ein Buch spannend und es auch noch Wochenende ist, lese ich, bis das Sandmännchen kommt. Da will ich nicht nur ein paar Seiten per RSS bekommen. Da wird zusammengebracht, was nicht zusammengehört. Per RSS will ich schnell und zuverlässig mitgeteilt bekommen, wenn gerade eine neue News online gegangen ist.

Genauso unsinnig ist es übrigens, das Fernsehprogramm per RSS zu verbreiten. Klack macht das. Eine Sendung pro Item, das dann einfach auf das entsprechende Sendedatum vordatiert wird. Unschön. Man muss ja nicht alles in RSS-Feeds reinpacken. Ein öffentlicher Kalender im iCal-Format wäre hier viel besser.

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Keine Kommentare

  1. Das Buch per RSS zu publizieren ist wohl ein Marketing Gag von Cory Doctorow, der übrigens auch für das Blog BoingBoing zuständig ist. Er hat mit seinem letzten Buch, das er geschrieben hatte, einen Riesenerfolg, nachdem er den Romain (SciFi) im Internet online gestellt hatte. Danach wurden die Bücher verkauft.
    Er trifft also genau das, was Du auch erzählst: wenn ein Buch spannend ist, dann will ich es lesen bis das Sandmännchen kommt. Und der RSS-Feed ist wohl eine Art das als Häppchen vorzubereiten, damit Du vielleicht auch das Buch kaufst. In sofern erinnert mich das an die Vorabdrucke von Romanen in grossen Magazinen, die auch nicht das ganze Buch häppchenweise pro Woche lesen wollen.
    Achja, sag Deiner mutter, sie soll Dir Notebook mit einem guten TFT mit höchster Auflösung schenken, dann klappts auch mit den Augen 😉

  2. Wenn man das Buch in Kapiteln veröffentlichen würde, würde ich das noch verstehen. Dann am besten zum Download in einem Format der freien Wahl. Das ließe sich dann auch gut ausdrucken und auf Papier lesen. Per RSS könnte die Erinnerung reinkommen, dass ein neues Kapitel online ist. Klar, dass es in diesem Fall eine Marketingaktion ist. Man muss aber nicht jede neue Technik hernehmen und alles darauf übertragen. Demnächst kommt noch der Busfahrplan als Podcast. – Meine Ma weiß übrigens gerade einmal, was ein Laptop ist. Den Rest müssen ihr dann die Enkel erklären.

  3. Ich beziehe zum Beispiel gerne Comics als RSS-Feed. Jeden Tag die Dosis Dilbert oder PvP. Ist ganz nett. Beim Buch könnte ich mir das nur in einer „Developer-Version“ vorstellen. Das wäre mal toll. Man bekommt jeden Tag die neuen Seiten von Stephen King’s neuestem Roman zugeschickt. Auch die, die er später noch überarbeitet. Und wenn er mal Schreibblockade hat, kommt eben nix. E-Paper würde ich mir übrigens auch nicht kaufen. Das wäre auf dem Klo wahrscheinlich zu empfindlich. Ach, und auch wenn ich manchmal Papa Giesecke zu dir sage, muss ich jetzt nicht deiner Mutter das Internet erklären. Hoffe ich.

  4. Nein, man muss nicht alles als RSS anbieten. Aber es macht Spass zu sehen, was die Leute probieren und was ihnen gefällt und woraus man vielleicht auch mehr machen kann.
    Wer hätte denn gedacht, dass man mit dem Telefon mal Nachrichten versenden will. Und heut benutzt das irgendwie die halbe Welt.
    Aber ein Buch ist schon was schönes, davon abgesehen. Wenns mich packt, dann nehm ich es auch gern in die Hand. Aber ich höre auch immer mehr Hörbücher, wenn sie denn gut vorgelesen werden. Ausserdem find ich die Idee auch für Sehbehinderte eine prima Sache, die mit dem RSS und die mit dem Vorlesen.

  5. Hörbücher höre ich vornehmlich auf langen Autofahrten – dann nervt mich die Radio-Dudelei schonmal nicht. Zuletzt zum Beispiel „Vollidio!“ – wirklich klasse, von Christoph Maria „Stromberg“ Herbst gelesen. Ansonsten, daheim, verziehe ich mich aber lieber mit einem Buch. Da kann ich irgendwie besser abspannen und die Phantasie besser spielen lassen.

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