Bravo bildet Journalisten aus

Von dem Wort „bildet“ sollte man sich bekanntlich nicht täuschen lassen. Zur Erinnerung: „BILD bildet“. Und der ehemalige BILD-Korrespondent Tom Junkersdorf bildet nun als neuer Bravo-Chefredakteur Journalisten aus. Aber sicher doch. Das nennt sich dann „Bravo House of Talents“ oder für diejenigen, die noch kein Englisch in der Schule hatten: Bravo-Journalistenschule. Zu erwarten hat man aber wohl eher einen Wettbewerb für ‚Nachwuchsjournalisten‘, bei dem die Berichterstattung über den Wettbewerb im Vordergrund steht. Ob das wirklich den Textanteil im Blatt anhebt?

Bravo
Was kommt nach der Schülerzeitung? (Screenshot von bravo.de)

Hurra Bravo schreit jetzt der Abiturient. Schnell noch einen Pickel ausgedrückt, im Frühjahr die Reifeprüfung abgelegt und anschließend geht es für ein Jahr ins Bravo-Volontariat. Und wenn dem Chef der Kaffee schmeckt, darf man danach sogar noch ein richtiges Volontariat beim Heinrich Bauer Verlag machen. Supi, oder? Dann gibt es auch einen richtigen Presseausweis und der selbgebastelte (vermutlich die erste Übung für Bravo-Volontäre) landet im Papierkorb. Oder war es die gelbe Tonne?

Was die in dem Jahr wohl alles machen müssen? Außer Kaffee kochen. Werkstatt fegen ist ja nicht. Sicherlich werden sie wie bei einem richtigen Volontariat verschiedene Stationen in der Redaktion durchlaufen. Da werden dann knallharte Fakten in der hauseigenen Autogrammkarten-Datenbank recherchiert und ganze Artikel im Bildunterschriften-Stil getextet. Krönung der Textarbeit ist aber das Interview. Erst darf man Dr. Sommer Fragen stellen, später dann auch als Dr. Sommer antworten. Obwohl. Harald Schmidt meinte gestern abend, Dr. Sommer würde es nicht mehr geben. Egal. Auf die frei gewordene Stelle kann der Volo sich dann ja bewerben.

Zum Schluss geht es noch in die BildFotoredaktion. Dort lernt man als erstes Teenager vor der Schamhaarsprießung abzulichten. Porträtfotografie mit seitlich ausgestelltem Fuß sozusagen. Jahreshöhepunkt ist aber das Selbstporträt mit Füllfederhalter. Bitte vorher nicht vergessen, sich zu rasieren. Schließlich muss der Reporter auch bewegte Bilder einfangen können. Diese werden dann in Microsoft Paint zu einer Fotostory zusammengesetzt. So lernt der Jungspund auch, am Computer zu arbeiten.

Und wie endet das Ganze? Mit einem Happy End natürlich! Das Ganze wird als Telenovela verfilmt und bei BravoTV gezeigt. Verliebt in der Bravo-Redaktion. Was würde aus uns bloß werden, wenn die Jugend keine Träume mehr hätte? Und Bravo!

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