European Songcontest: Der NDR gurkt rum

Aus Fehlern sollte man lernen. Und der European Songcontest war – aus deutscher Sicht zumindest – in den letzten Jahren eine Katastrophe. In einer Welt Jahrzehnte nach Abba hat weder das Schlagerzeug eine Chance (und ich rechne mal Gracia dazu) noch die ganzen Guildo-Horn-und-Stefan-Raab-Nachäffer. Denen fehlt es nämlich an Originalität. Bei Waterloo denke ich jetzt jedenfalls wieder an ein Feld voller Leichen. Die Strategie von Stefan Raab, in Istanbul mit Max Mutzke anzutreten, war dagegen der wahrscheinlich beste Versuch, den European Songcontest auf ernsthaftem Weg zu gewinnen.

Gurken
Der Saure-Gurken-Sender lässt nur drei Kandidaten für den European Songcontest zu (Bild: stock.xchng)

Aber davor steht ja noch die nationale Vorausscheidung. Das ist ein vom NDR mittelmäßig ausgerichtetes, mittelmäßiges Event, während das eigentliche Finale dann irgendwo in Osteuropa stattfindet – ohne bemerkbar deutsche Beteilung. Deshalb erfüllt auch der Vorentscheid seinen Zweck nicht, denn wenn es nur um die Quote dieser einen Sendung ginge, hätte Stefan Raab sie mit seinem Bundesvision Contest schon längst alle nass gemacht.

Und welch Überraschung: Der NDR hat nach Versuchen, seine Veranstaltung mit Gast-Sendern/Moderatoren der Zielgruppe Pubertät aufzuhübschen, endlich ein Einsehen. Die Vorentscheidung wird so gemacht, dass man im Osten eine Chance hat (Malta und Griechenland mal großzügig dazu gerechnet). „Wir wollten nicht mehr wie in den Vorjahren Kandidaten dabei haben, die keiner kennt“, zitiert Spiegel Online den NDR-Unterhaltungschef. Und ich dachte immer, es würde daran liegen, dass die Kandidaten nicht singen können. Ob die jemand kennt oder nicht, ist doch wohl egal.

Drei Acts stehen zur Auswahl (dann aber bitte Qualität), oder der Sender entscheidet gleich allein. Jupiii. Was habe ich diese Basta in den letzten Wochen vermisst. Und was macht der NDR stattdessen? Er lässt Vicky Leandros, Thomas Anders und Olli Dittrich antreten. Die Fehlbesetzung in der Moderation ist noch zu verzeihen. Thomas Hermanns muss schließlich nicht nach Europa mitverschickt werden. Aber die Gesangsvortragenden erscheinen mir eher wie Peter Hartz, Florida-Rolf und … nun ja, Olli Dietrich ist schon ok, zumal seine Combo Texas Lightning wirklich was drauf hat. Aber ob das European-Songcontest-tauglich ist, wage ich dann doch zu bezweifeln.

Und da ich den NDR schon vor der Flinte habe: Hat der Sender doch letztens die Saure Gurke zugedacht bekommen. Gerade auch weil Reinhold Beckmann durch ein nicht gerne gesehenes, geschlechter unterscheidendes Verhalten aufgefallen ist. Bei der Auslosung der FIFA-WM 2006 !!! TRADEMARK !!! hat er seine Hand dort auf Heidi Klum abgelegt, wovon man in der Tanzstunde gelernt haben sollte, dass man dort seine Hand eben nicht ablegt, sondern etwas höher. Aber das nur am Rande. NDR, Gurke, Küblböck, European Songcontest – so schnell ist die Welt des öffentlich-rechtlichen Fernsehens erklärt. Wie der Küblböck jetzt da reingerutscht ist, kann ich mir gar nicht erklären. Aber ich bin mir sicher, wenn der NDR auf eine Vorausscheidung verzichtet hätte, er hätte bestimmt den Gurkenlaster-Anfahrer geschickt.

Beteilige dich an der Unterhaltung

Keine Kommentare

  1. Pingback: Vierziger
  2. @Andreas

    Die beiden hätten natürlich noch gefehlt. Aber aus Sicht des NDR deckt Thomas Anders wohl schon die Balladenkuschelecke ab. Sofern die überhaupt wissen, wer Sarah und Marc sind. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich Mitarbeiter öffentlich-rechtlicher Sender verpflichten müssen, nur drei Programme am Fernseher einzustellen.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.