Du bist Beate Uhse

Wer entscheidet eigentlich, welches Motiv der Kampagne „Du bist Deutschland“ in welcher Zeitschrift erscheint? Ich habe nämlich die leise Ahnung, da steckt eine Absicht dahinter. „Du bist Otto Lilienthal“ heißt es in der aktuellen connect (Gruner + Jahr). Jawoll, Technik! Das passt doch. Irgendwie. Zumindest stört es nicht. Aber was ich da in der aktuellen freundin erblicke, lässt mich dann doch am gesunden Menschenverstand zweifeln: „Du bist Beate Uhse“. Wie bitte? Was ist das denn für eine Botschaft? Frauen dieses Landes, eröffnet einen Pornoversand? Und das in einer Frauenzeitschrift. Auf dass die Kampagne auch wirklich null Wirkung habe.

Du bist Beate Uhse
Du bist Pornohändlerin: Aufforderung zur körperlich-moralischen Wende?
(Bild: Scan aus der freundin)

Und wenn ich es mir so recht überlege, bringt auch das Otto-Lilienthal-Motiv in der connect nichts. Wer sich diese am Bahnhofskiosk kauft, möchte demnächst ein krass-endgeiles Handy kaufen, aber nicht Ingenieur werden. „Du bist Til Schweiger“ wäre an dieser Stelle wohl wirkungsvoller gewesen. Im Hubert-Burda-Media-Produkt freundin hätte ich stattdessen „Du bist Aenne Burda“ erwartet. Nicht nur weil es verwandtschaftlich naheliegend ist, sondern auch weil es passt: Sie ist die erfolgreiche Unternehmerin, die zur braven freundin-Zielgruppe passt. Ich werde mich jedenfalls nicht mehr wundern, wenn in der nächsten Brigitte das Motiv „Du bist Gina Wild“ erscheint.

Jetzt das Rad ein wenig weitergedreht: Welches Motiv passt denn in den Playboy? „Du bist Michel Friedman“? Oder in anonymisierter Form: „Du bist Puffgänger“? Dannn würde dieser grausamen Kampagne endlich das Pseudo-Elitäre genommen werden.

Beteilige dich an der Unterhaltung

Keine Kommentare

  1. Wie wäre es denn eigentlich mit „Du bist Du!“? Denn ich will bestimmt nicht Til Schweiger sein. Schon garnicht Gina Wild. Sondern einfach nur Sven Wagenhöfer. Das reicht voll und ganz.

  2. Nun gut, darum geht es eigentlich gar nicht. Innerhalb meiner eigenen vier Wände kann ich tun und lassen, was ich will. Und dementsprechend auch einfach nur ich sein. Deshalb muss es ja eine Kampagne geben oder einen offenen Brief der Bundeskanzlerin oder eine Neujahrsansprache, um über die Medien an die Leute ranzukommen. Denn zum Wohle aller soll der einzelne dann doch etwas tun. Keine Ahnung was. Eine Ich-GmbH gründen vielleicht, die seiner Ich-AG dann Konkurrenz macht. Oder Otto Lilienthal werden, damit endlich mal das Fliegen erfunden wird. Oder ein neuer Exportsschlager, der an alle Chinesen verkauft wird. Damit der Ami das Nachsehen hat. – Diese Kampagnen sind Kommunikation. Und zwar eine sauschlechte. Darum ging es mir eigentlich.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.