Von breiten und schweren Websites

Roman Mischel schreibt heute auf onlinejournalismus.de über „Startseitenschwergewichte„. Seiner Messung zufolge bringt das Moppelchen kicker.de 737 Kilobytes auf die Waage. Inklusive Werbung und allem drumherum. Das ist schon ein Wort. Ich meine mich an einen Webentwickler zu erinnern, der – vor Jahren allerdings – 300 Kilobyte als Obergrenze für die Startseite einer Website ausgegeben hat.

Gewichte
Der Body-Mass-Index für die Website: 300 Kilobyte auf 1024 Pixeln Breite?
(Bild: stock.xchng)

Roman scheint die Unterschiede zwischen einzelnen Websites im Grundgerüst zu sehen. Sicher bringen komplexe Tabellenkonstruktionen mehr auf die Waage als CSS-Layouts. Das Problem sind doch aber wohl eher die Werbungen und Multimedia-Elemente, die in die Website eingebettet sind. Da kann die Hammer-Werbung oder die x-fach angepriesene Bildergalerie in der Sidebar mehr Traffic ziehen, als man mit der Umstellung von Tabellenlayout auf CSS spart.

Den meisten Breitbandusern wird das egal sein. Aber vielleicht könnte man für Analogmodemnutzer die Möglichkeit anbieten, auf bilder- bzw. medienarme Versionen umzuschalten. Die BBC hat das mal mit ihren PDA-Versionen gemacht. Da gab es, so ich mich richtig erinnere, eine Nur-Text-Version, eine mit wenig bzw. kleinen Bildern und eine mit (für PDAs) normalen Bildern. Gleich zu Beginn einer Website könnte man dann zu den einzelnen Versionen umschalten – ähnlich der Schriftgrößenskalierung gemäß Barrierearmut-Vorschriften. Oder wie bei Websites, die unterschiedliche CSS-Skins anbieten.

Die Zeiten sind eh vorbei, als man die Schätze, die in der eigenen Datenbank schlummern, nur über ein festes Layout ausgeben konnte. PDA-Versionen mit 200 bis 640 Pixeln Breite habe ich ja schon angesprochen, Gerrit von praegnanz.de fragte sich letztens: ?1024 oder nicht 1024? Das ist nicht die Frage!? Und was ist mit der Heute-nur-noch-Zwischengröße? Das klassische 800-Pixel-Layout könnte auf kleinen Tablet-PCs oder großen PDAs sein Comeback feiern. Nicht ohne Grund hat Microsoft zur diesjährigen CeBIT sein Origami-Konzept vorgestellt. Und die meisten Nachrichten-Websites halten auch noch an diesem Format fest.

Ich bin kein Webdesigner, viel spannender finde ich deshalb die Frage nach der optimalen Websitebreite auch mal von den Inhalten her zu betrachten. Ein stinknormales Weblog auf 1024 Pixel zu layouten, macht sicherlich keinen Sinn. Entweder würden die Zeilen unlesbar lang, oder die Sidebar müsste mit allem möglichen Schnickschnack aufgefüllt werden. Ein ausgewachsenes Onlinemagazin jedoch wünscht sich immer mehr Platz. Dort gibt es Inhalte in Fülle: Teaser, Listen, Datenbankabfragen, Bildergalerien, Werbung und vieles, vieles mehr.

Hat man nun kleinere Displays, zum Beispiel PDAs und Smartphones, deren Displaybreite zwischen 208 und 320 Pixeln schwankt, dann tut es beim 800er-Weblog oft schon ein eigenes CSS. Das 1024er-Onlinemagazin sollte sich wohl besser eine komplett neue PDA-Seite basteln, da viele Inhalte auf dem kleinen Display überhaupt keinen Sinn machen. Das gilt für einen Großteil der Bildergalerien, aber auch für Profi-Datenbankabfragen mit 20 und mehr Eingabefeldern. Und für Ajax-Zeuchs. Die Zeiten des einen, festen Layouts sind wohl vorbei.

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Keine Kommentare

  1. Du meinst wahrscheinlich nicht 300, sondern 35 KB, die IIRC von Nielsen mal in den Ring geworden wurden.

    Allerdings sind selbst 35 KB eine Zumutung, falls man unterwegs das Internet benutzen will.

    Aus dem Grund ist meine Startseite auch bloß 7086 Bytes groß (ok, ohne Style Sheets).

  2. Das war noch im Jahr 2000, und unser Magazin war ziemlich grafiklastig. Zehntausend Spacer, Verläufe und sogar grafische Überschriften in allen möglichen Navigationen und Subnavis. Das war halt damals so. Kurz vorm Platzen der Blase. Du bringst mich aber dennoch ins Grübeln, ob das wirklich 300 KB waren. Wobei der Webentwickler eher ein Progger war als ein Nielsen-Jünger. Den kannte er bestimmt gar nicht. Jedenfalls sollte ich die Grafiken, die ich in die Texte einbaute, zwischen 10 und 20 KB halten. Nielsens 35 KB als Obermaß für eine gesamte Seite waren also sicherlich nicht gemeint.

  3. Die Extrawürste brauchts nicht. Sieh dir meine Website an. Die ist klein, hat CSS für Handhelds und für Desktop-Browser, benutzt valides Markup und funktioniert dank der geringen Größe auch unterwegs (z.B. mit dem Openwave-Browser) prima.

  4. Für deine Website mag das stimmen, bei großen Portalen wird es aber schon schwieriger, nur mit einem anderen CSS alles aufs Handy zu bringen. Die meisten Videos und Bildergalerien sind einfach fürs große Display optimiert und haben auf PDA-Seiten nichts zu suchen. Bei einfach strukturierten Websites – auch bei den meisten Blogs – hast du natürlich recht. Da muss es nicht einmal ein extra CSS sein. Operas Small Screen Rendering bzw. diverse andere Proxydienste leisten da auch gute Dienste.

  5. Stimmt schon, Peter. Allerdings gibts auch die Möglichkeit, mit CSS Bilder je nach Medientyp in das Dokument einzufügen. Damit könnte man die ganzen häßlichen Bilder nur Desktop-Browsern zumuten. Und über alternate Style Sheets könnte man den Benutzer entscheiden lassen, ob er viel nacktes Fleis^W^W^Wviele nackte Pixel oder eine schnell ladende Seite haben will.

    IMHO ist die Technologie durchaus da. Bloß beim Verständnis haperts noch.

  6. Und wie stehe ich nun da? Als bester Beweis für das hapernde Verständnis. 😉

    Ich bin aber ein Freund von CSS. Weil es sehr elegant ist. Und resourcensparend. Mein Argument richtete sich auch vielmehr gegen vollgepackte PDA-Seiten. Ob ein CMS zwei Versionen erzeugt oder das CSS (wenn man das jetzt mal so Pi mal Daumen unterscheidet), ist mir eigentlich egal. Wobei ich die Erfahrung gemacht habe, dass kaum jemand die Finessen von CSS wirklich verstanden hat bzw. anwendet. Die meisten Webentwickler bauen ihre CSS-Layouts doch nach dem selben Muster auf wie früher ihre Tabellen. Oder irre ich da?

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