Wie man ein Kabel in Salamischeiben schneidet

Seit Wochen schon wird dieses Trauerspiel aufgeführt: Der DFB vergibt zwei Lizenzen für die Übertragung von Bewegtbildern. Bundesliga, ihr wisst schon. Nach seiner simplen Fußballerlogik gibt es ja auch zwei grundverschiedene Übertragungstechniken: Kabel, Sat, Antenne und eben Internet. Dann hätte die FIFA ebenfalls zwei … sagen wir mal Autohersteller … aufs Sponsorenpodest heben können: einen für Dieselmotoren und einen für Benziner. Sind zwar andere Motoren, aber beides fährt doch, am besten einen Crashkurs. Nichts anderes machen der DFB und Arena auf der einen und Premiere und T-Online auf der anderen Seite. Nicht im Stile eines Stock Car Crash Challenge, sondern nach der guten alten, bewährten Salamitaktik.

Salami
Wieviel Marktanteil darf es denn sein? Mit normalem DSL oder ohne?
(Bild: stock.xchng)

Scheibe für Scheibe versuchen Premiere und T-Online nun das Ergebnis der verkorksten DFB-Ausschreibung in ihrem Sinne zu interpretieren. Ende März war es noch die Ankündigung, dass Premiere die Fußball-Übertragungen für die T-Online-Lizenz produziert, jetzt ist die Katze endlich aus dem Sack, die Arena schon längst von links nach rechts über den Weg laufen sah: Premiere erhält eine Sublizenz der T-Online-Rechte.

Wieder so eine Salamischeibe, denn was das wirklich bedeutet, ist noch keinesfalls klar. In der Berichterstattung, die mir unter die Augen gekommen ist, stellt allein Golem die richtige Frage: „Man werde die Bundesligaspiele im IPTV-Standard ‚über verschiedene Netze, insbesondere über das neue VDSL-Netz‘ übertragen. Ob damit nun gemeint ist, dass auch Kunden mit langsameren DSL-Zugängen Fußball per IPTV gucken können oder die beiden auf eine Übertragung per Breitbandkabel setzen, wird nicht ganz klar.“

Mit anderen Worten: Jetzt wird erst einmal die Sublizenz für Premiere durchgedrückt. Bei zu großem Gegenwind oder gar einer drohenden juristischen Niederlage kann man sich immer noch darauf zurückziehen, dass die Sublizenz nur für eine VDSL-Anbindung gelte. Und die werden im Sommer schließlich nur ein paar Hanseln haben. Nicht weiter von Bedeutung. Wenn Premiere und T-Online aber richtig pokern, könnten sie – ausnahmsweise – ihre Bundesligaübertragung auch für DSL-Anschlüsse mit geringeren Bandbreiten öffnen. Dann schauen viel mehr Zuschauer über Premiere/T-Online Fußball und Arena schließlich in die sprichwörtliche Röhre.

Alles schön und gut. Jede Firma ist auf ihr Vorteil bedacht. Sollen sie auch. Der Grundfehler lag schließlich in der verkorksten DFB-Ausschreibung. Internet ist eben nicht gleich Internet. Was T-Online mit IPTV/VDSL vorhat, ist nichts anderes als längst schon über Kabel, Sat, Antenne passiert. Also wäre eine Lizenz für alle vier Techniken besser gewesen. Selbstverständlich mit der Auflage, möglichst viele Haushalte zu erreichen. Die Internetlizenz macht natürlich weiterhin Sinn, aber so, wie sie vor ein paar Jahren noch war, gekoppelt mit der Mobilfunklizenz (von der ich in diesem Jahr in der Berichterstattung überhaupt nicht gelesen habe). Eine Lizenz also, wenn es nur um kleine Datenmengen geht: für Smartphones, Ausschnitte im WWW, Textticker, was auch immer noch. Wobei das eigentlich gar nicht großartig beschränkt sein sollte.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.