Schnell, schnell. Oder die Gefahr, ein Spiel zu versäumen

Wer kennt schon die IT-Wirtschaftszeitschrift „CIO“? Ich jedenfalls nicht, aber offensichtlich haben die eine Vorabmeldung herausgegeben, oder jemand hat einen Artikel abgepinnt, heute geistert eine Meldung durch die TK-Onlinelandschaft, die Golem „Gefahren von BlackBerrys Push-E-Mail“ titelt. Wer würde das nicht lesen klicken wollen? Von Golem übrigens sehr schön mit Bildern aus der eigenen Bildergalerie bestückt – natürlich Pressefotos, auf denen der Blackberry recht niedlich daherkommt. Nix Gefahr! Der will doch nur spielen.

Crack
Crack (Bild: U.S. Drug Enforcement Administration)

Kurz vorneweg, es handelt sich nicht um eine Gefahr im technischen Sinne. Die Subheadline stellt dies auch gleich fest: „Berufs- und Privatleben kann unter ständiger Erreichbarkeit leiden“. Kurz zwischendurch, es handelt sich nicht um eine wissenschaftliche Studie mit handfesten Ergebnissen. Die IT-Wirtschaftszeitschrift „CIO“ scheint einem mittelständischen IT-Leiter einen Tag lang einen Blackberry in die Hand gedrückt zu haben, was ihn offensichtlich überfordert und zu abdruckfähigen Äußerungen veranlasst hat.

Der Blackberry steht hier synonym für Push-Mail. Diese Dienste sind nicht neu, die Argumente pro und contra auch nicht, aber wer schnell ins Wochenende vor den Fernseher will, ist dankbar für solche Meldungen, die sind in zwanzig Minuten online gebracht. Da ich mal selbst solche Zeitvorgaben gemacht habe, weiß ich, wovon ich spreche.

Und was hier für Argumente vorgebracht werden. Dass der Blackberry Einfluss auf Job und Privatleben habe, dass man wie ein Pawlowscher Hund reagiere und der Blackberry eigentlich ein CrackBerry sei. Ich kann es schon nicht mehr hören, besonders weil bestimmt jeder zweite Leser schon mal Crack geraucht hat. Und die ganzen Redakteure sowieso. Wer so argumentiert, sollte sich fragen, wie er in eine Position gelangen konnte, in der sein Arbeitgeber ihm einen Blackberry überhaupt anvertrauen konnte.

Der IT-Leiter sieht den Menschen dann auch als „Sklave des E-Mail-Systems“, dabei ist er wohl eher ein Sklave seines missglückten Zeitmanagements. Das work.innovation Blog bringt es auch auf den Punkt: „Wobei, eigentlich ist ja mal wieder nicht das Werkzeug ’schuld‘, sondern die Art und Weise des Umgangs damit. Ähnlich wie der Erreichbarkeitswahn seinerzeit bei Handies. Der immer noch, sehr langsam, am abklingen ist.“ Auf den richtigen Umgang mit der Technik kommt es an. Aber um das zu thematisieren, dafür reicht die Zeit wohl nicht, gleicht spielt doch Deutschland. Das schaue ich mir auch an.

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