ZDF will Eigenproduktionen online stellen

Das ZDF ist bekanntlich ein Schnarchsender. Tagesthemen (ARD) und Heute Journal (ZDF) sind zweifelsohne gute Nachrichtensendungen, dennoch haben die meisten Leute eine ausgeprägte Vorliebe für eine der beiden. Nicht ohne Grund, den kleinen Unterschied in Themenwahl und Moderation gibt es immer. Ich bin zwar mit Löwenzahn und Derrick groß geworden, aber auch froh, dass ich in den letzten Jahren das ZDF-Programm fast vollständig verpasst habe. Wenn ich an ZDF denke, sehe ich meine Eltern vor dem Fernseher sitzen, die Fernbedienung in der einen Hand, die Hörzu in der anderen, und dann schalten sie doch nicht um. Momentan steht Kerners Kochsendung ganz hoch im Kurs.

Die Mediathek des ZDF
Bereits jetzt zeigt das ZDF in seiner Mediathek viel Programm (Screenshot von zdf.de)

Von Zeit zu Zeit gewinnt der (selbstverständlich rein programmbegleitende) Internetauftritt des ZDF einen Preis. Das lese ich irgendwo, folge dem Link und finde gut, was ich da sehe. Sport, Heute oder die Mediathek. Ein Stammleser bin dich dennoch nicht geworden.

Nun lese ich auf sueddeutsche.de (gefunden über Fabian Mohr, Notebook | Online Journalismus), dass das ZDF seine Eigenproduktionen auch im Internet zeigen möchte, als weiteres Standbein, junges Publikum abholen. Dort hat man anscheinend kapiert, dass die Zeit des Rundfunks – einer sendet, alle lauschen – vorbei ist. Fernsehen wird immer mehr zeitversetzt geschaut. Die Beiträge sollen erst einmal in einem Sieben-Tage-Archiv angeboten werden, was immer das auch heißt, wann auch immer dieses Vorhaben umgesetzt wird.

Einem solchen Angebot sind natürlich Grenzen gesetzt, die Urheberrechte Dritter müssen gewahrt bleiben, Filme wird es also nicht in der Mediathek geben, aber für Eigenproduktionen soll „die Kontrolle die Urheberrechte fürs ZDF-Programm“ teilweise ausgegeben werden. Die BBC hat bereits vorgemacht, wie das geht.

Und wenn auch die täglichen Nachrichten von SpiegelTV auf Spiegel Online durch ihre Kürze und Knackigkeit gegen tagesschau.de und heute.de bestehen können, hat zum Beispiel Matusseks Videoblog gegen Beiträge aus den TV-Redaktionen keine Schnitte, da liegen Welten zwischen. Ich weiß wirklich nicht mehr, was das ZDF da versendet, aber gegen intelligente und unterhaltsame Kulturbeiträge wie von Aspekte hätte ich online nichts einzuwenden. Vor allem auch Berichte der eigenen Korrespondenten sind von anderen Internetmedien wohl kaum lieferbar bzw. kopierbar.

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Keine Kommentare

  1. Lange Zeit war ich für die Abschaffung der Rundfunkgebühren. Allerdings habe ich mittlerweile meine Meinung geändert, nachdem ich gesehen habe, wie die Qualität der Privatsender Jahr für Jahr in den Keller gegangen ist. Gerade die Spartenkanäle von ARD und ZDF sind unschlagbar und nehmen wohl mittlerweile mehr als die Hälfte meiner Fernsehzeit ein. RTL2 habe ich auf meinem Receiver seit 6 Monaten ausgeblendet. SAT1 weit nach hinten verbannt. Harald Schmidt hat mal den Begriff Unterschichtefernsehen für seinen alten Arbeitgeber geprägt, womit er wohl mehr als Recht hatte.

    Rundfunkgebühren für Internet PCs sind allerdings die Sauerei schlechthin und reine Abzocke.

  2. Nur weil das ZDF besser als RTL2 ist, muss das Programm noch lange nicht gut sein. Ich sehe nach wie vor einen großen Unterschied zwischen ARD und ZDF, oder auch nicht, da ich ja auf den Fernseher weitgehend verzichte, denn das war mein eigentlicher Punkt: Statt fernzusehen, weiche ich lieber auf andere Medien auf. Neben der guten alten Textform (Internet und Print) wird es im Internet auch immer mehr und bessere Videoangebote geben. Oben ging es mir eigentlich darum, dass die Fernsehsender (egal, ob öffentlich-rechtlich oder nicht) ihre Inhalte nicht mehr so verkrampft schützen und sie nur über die eigenen Sender abstrahlen, sondern sich auch vorsichtig für neue Kanäle öffnen.

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