Spiegel Online: Bildergalerie mit Mehrwert

Was macht einen guten Artikel aus? Ein fluffiges Thema wie der Millionengewinn bei Günter Jauch, dazu eine Bildergalerie fürs Auge und die Fragen zum Selbstbeantworten für das, was dahinter liegt. Ein kleiner Baukasten für den Spiegel-Online-Redakteur: schnell zusammengestöpselt, online gestellt, alles richtig gemacht. Oder? Wie sagt Herr Markwort vom Konkurrenzblatt so schön? „Und immer an die Leser denken.“

Screenshot von Spiegel Online
Schade auch: Da kam die Antwort wohl vor der Frage
(Screenshot von Spiegel Online, Hervorhebung durch Netzausfall)

Was macht denn nun der Leser? Da stelle mer uns ma janz dumm! Der Leser fängt oben an und liest. Und er freut sich. Schließlich darf er weiter unten auch selbst ran: „Hätten Sie’s auch geschafft? Alle Fragen zum Miträtseln.“ Die Werbung überspringt er salopp und liest weiter. Dann folgt die Bildergalerie. Warum sollte er diese jetzt nicht anklicken? Er findet sie doch inmitten des Textes und nicht erst am Ende. Nachdem er sie geöffnet hat, weiß er es: Die Millionenfrage wird beantwortet.

Es ist nicht das erste Mal, dass Spiegel Online auf den Günter-Jauch-Zug aufspringt. Beim letzten Test bin ich, am besten lasse ich mal unerwähnt, wie ich mir meine Jokerantworten konstruiert habe, bis zur Millionenfrage gekommen – und daran gescheitert. Immerhin konnte ich raten. Ich hätte mich geärgert, wenn es diesmal genauso gewesen wäre.

Okay, so interessant sind Günter Jauch und das Sponsche Panorama nun auch wieder nicht. Mich erinnert die mangelnde Sorgfalt Spiegel Onlines lediglich an eine gute Diskussion, die kürzlich auf onlinejournalismus.de und auf Print to Internet geführt wurde. Es ging darum, wie schlecht Videos in Texte eingebunden werden. „Ein Beispiel ist dieses Video auf sueddeutsche.de über den verstorbenen turkmenischen Diktator Nisajow, das prinzipiell schön in den Artikel eingebunden wurde. Leider werden im Video gegenüber dem Artikel praktisch keine Neuigkeiten präsentiert. Auch die durch das Video gelieferten Bilder bieten keinen echten Mehrwert.“ (Matthias Kretschmer auf Print to Internet)

Bei Spiegel Online habe ich oft den Eindruck, dass nicht die Bildergalerie zum Artikel, sondern der Text zur Bilderklickorgie gesucht wurde. Das bringt Page Impressions und geht eine Zeitlang auch gut. Bei mir hat es aber zu einem nachhaltigen Ermüdungsprozess geführt. Ich bin schon seit längerem dabei, mich von Spiegel Online zu verabschieden. Und ich warte immer noch auf ein Newsportal mit guten Artikeln und mit Bildern und Videos, die einen Mehrwert liefern und nicht einfach nur lieblos an den Text geklatscht wurden.

Den Test habe ich natürlich doch noch gemacht. Aber an der 8000-Euro-Frage bin ich schon kläglich gescheitert, nachdem ich zuvor bereits einmal raten musste. Aber dann folgten noch einige Fragen, die ich ebenfalls nicht beantworten konnte und schließlich auch die Zahl meiner Joker überstiegen hätte. Wieder ist nichts aus der virtuellen Million geworden. Verdammt!

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Keine Kommentare

  1. Das Beispiel zeigt auch wieder einmal wunderbar, wie bei großen Seiten Content-Elemente einfach im Korb landen. Für solche Rätselspiele wäre doch der Code vom Zwiebelfisch-Deutsch-Quiz wunderbar gewesen. Statt dessen gibts dröges Raten mit Merken. Öde.

  2. Das finde ich gar nicht mal so schlimm. Beim Zwiebelfisch-Quiz war es noch interessant, wieviele Fragen bzw. wieviel Prozent der Fragen man am Ende richtig beantwortet hatte. „Wer wird Millinär“ ist ein K.O.-System, bei der ersten falschen Antwort ist man raus.

    Was ich schade finde, ist, dass sich niemand dafür verantwortlich fühlt, die drei Elemente Text, Bild und Umfrage richtig zu verschmelzen. Dafür sollte ein CvD am Balken stehen, der einen Webentwickler neben sich sitzen hat, den er notfalls am Schlaffitchen packen kann: Hier mach mal. Keine Ahnung, wie Spon das organisiert hat.

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