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Ich werde politischer Redakteur

Gestern abend saß ich auf einem Sofa, das nicht in meiner Wohnung stand. Und ich hatte deshalb auch nicht die Drücke in meiner Hand. Wobei es in meiner Wohnung auch gar keine Drücke mehr gibt, aber das wisst ihr ja. Das ganze Sabine-Christiansen-Günter-Jauch-Anne-Will-Kartenmischen in den letzten Wochen hat mich ziemlich unaufgeregt gelassen. Ich hatte schlichtweg vergessen, wie schlecht die Sendung ist. Umso verständlicher finde ich nun wieder das tief sitzende Bedürfnis auf Veränderung, mit dem sich zahlreiche Blogs an diesem Thema abgearbeitet haben. Gestern abend haben sich jedenfalls zahlreiche meiner Gehirnzellen ins Jenseits verabschiedet.

Screenshots von hoerzu.de und sueddeutsche.de
Wiederkäuen ohne erhellende Quellenangabe

Das war alles noch zu erwarten, ich kam einfach nicht an die Drücke ran. Doch dann öffnete ich heute morgen den Google Reader und überall las ich ‚Tiefensee hat gesagt‘. Und dann stand da auf sueddeutsche.de: „‚Der Autofahrer soll nicht mehr belastet sein, damit derjenige, der wenig im Portemonnaie hat, sich auch in Zukunft noch die Tankfüllung leisten und Auto fahren kann‘, sagte Minister Wolfgang Tiefensee (SPD) in der ARD.“ Hä? Wie naiv war ich eigentlich?

Hätte ich diese Dumm-wie-Brot-Show gestern abend nicht selbst ertragen müssen, wäre ich davon ausgegangen, dass er das in den Tagesthemen gesagt hat. Was sollte sonst mit ARD gemeint sein? Hat er aber nicht. Der ist zu Christiansen gegangen. Um dort eine Position zu verkünden, die ich vor fünfzehn Jahren schon vertreten habe, so ähnlich jedenfalls. Wie billig ist das eigentlich? Die Künast hat es ihm auch gesagt.

Dass ich jetzt froher bin denn je, den Fernseher abgeschafft zu haben, und dass ich dringend eine Strategie entwickeln muss, um auch auf fremden Sofas an die Drücke zu gelangen, das muss ich nicht extra betonen. Aber ich finde es echt krass, dass man bei sueddeutsche.de sein Dasein als politischer Redakteur fristen kann, indem man am Sonntagabend Sabine Christiansen schaut und am nächsten Morgen um 9:16 Uhr eine Zusammenfassung online stellt. Mal davon ausgehend, dass die Meldung nicht gänzlich auf DPA-Material beruht.

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Clevere Werbekampagne der ARD über die Christiansen-Nachfolge. Die ganzen Meldungen der letzten Wochen haben die Sendung wirklich zu einem der wichtigsten politischen Medien in Deutschland gehypt. Da haben doch wohl Marketing-Strategen dran gefeilt, oder warum hat das sonst wochenlang in den Schlagzeilen kursiert?

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