Die Zeit auf dem Bildschirm

Ich wohne direkt neben dem Haribowerk. Strecke ich die Nase zum Fenster raus, riecht es nach Lakritze. In dieser Straße leben Arbeiter neben Hausbesitzern mit Stuckerhaltungstrieb. Gehe ich hier spazieren, läuft mir schon mal Kai-Uwe Ricke über den Weg. Dieser Ort hat drei Bäcker, einen Haushaltswarenladen, eine Drogerie und einen Juwelier. Gleich neben dem Aldi.


Passt doch. Und kostet weniger

Seitdem die Zeit nicht mehr vom Postboten gebracht wird, liegt sie frühmorgens auf dem Tritt vor der Haustür. Mein Briefkasten ist einfach zu klein dafür. Manchmal legt ein freundlicher Nachbar sie ins Haus auf die Treppe, manchmal ist sie aber auch weg. So wie heute.

Ich habe mal am Postschalter nachgefragt, ob noch ein Postfach frei sei. „Es wird immer mal wieder eines frei.“ Dann blickte der Mann mich an: „Es gibt da eine Liste. Am besten Sie fragen immer mal wieder nach.“ Ich bezweifel, dass die Zeit wirklich in so ein kleines Fach gepasst hätte.

Das E-Paper habe ich des öfteren schon gelesen. Auf meinem neuen 22-Zoll-Monitor macht sich das bestimmt gut. Vielleicht sollte ich einfach mein Papierabo abbestellen und ganz zur elektronischen Version wechseln. 156,9 MB ist sie heute schwer. Das sieht nach wenig aus, fühlt sich aber anders an: „21.6 von 156.9 MB bei 240 KB/sek; 09:23 verbleibend“. Da bin ich inzwischen fünfmal die Treppe runter und wieder hoch gelaufen.

Warum wurde mir die Zeit gerade in dieser Woche geklaut? Morgen werde ich für ein paar Stunden im Zug sitzen. Wie ich mich darauf gefreut habe, in der Zeit zu schmökern. Das hat Stil! Stattdessen werde ich dort mit einem 15-Zoll-Laptop sitzen, dessen Bildschirm bereits Altersflecken hat. Das PDF muss ich stückchenweise über das Display schieben oder auf 70 Prozent skalieren. Hoffentlich reicht der Akku.

Für 30 Euro im Halbjahr würde ich Zugriff auf den Premiumbereich von Zeit Online erhalten, dort lade ich auch gerade die Zeit im PDF-Format herunter. Als Printabonnent habe ich freien Zugriff darauf, all inclusive, zahle aber auch knapp 75 Euro im selben Zeitraum, also mehr als das Doppelte. Da lohnt sich doch fast der Umstieg.

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