Konsumo, eine Lobhudelei

Wer früher etwas kaufen wollte, ging in den Laden und schaute, was vorrätig war. Wer heute etwas kaufen möchte, schaut ins Internet. Das hört sich besser an, ist es aber nicht. Denn die Google-Suche führt auch erst einmal nur von einem Shop zum anderen – in der billigen Ausführung versteht sich. Und dort fehlt das, was den freundlichen Mann hinter der Ladentheke ausgemacht hat: eine fachliche Beratung. Nicht weniger verspricht Konsumo.


Nur Bahnhof verstehen? Auf Konsumo nachlesen!

Als ich den Kollegen Wagenhöfer und mich zum Kölner Webmontag im Juli anmeldete, freute ich mich, Dominik wiederzusehen. Er ist einer der Gründer von Konsumo, und wir haben zusammen ein Jahr bei netzwelt.de gearbeitet. Ich bin also nicht unvoreingenommen, wenn ich über Konsumo schreibe. Ich würde es aber auch nicht tun, wenn mir das Angebot nicht gefallen würde.

Konsumo setzt natürlich keine 1.000 Fachverkäufer ans Internet und lässt Fragen beantworten. Startdessen lässt man getreu dem AAL-Prinzip andere arbeiten. Konsumo ist ein Wiki, zu dem jeder etwas beisteuern kann. Auf diese Weise wird das Wissen der Menge angezapft – und natürlich günstig produziert. Eine kleine Redaktion wacht lediglich darüber, dass alles mit rechten Dingen zugeht.

Und was findet man nun auf Konsumo? „Die beliebtesten Produkte“ (eigentlich sind es keine „Produkte“, sondern Warengruppen) waren heute TFT-Monitor, Tomate, Verhütungsmittel, Computer, Kettensäge, Auto (Gebrauchtwagen), Bürostuhl, Fernseher, Elektrische Zahnbürste und Tennisschläger. Was weiß ich schon über die hydraulische Höhenverstellung von Bürostühlen? Da werde ich sicherlich bei Konsumo nachschlagen, wenn der nächste Kauf ansteht.

Wie sieht aber nun so ein Kaufvorgang aus? Im Shop kann man sich nur begrenzt informieren, bei Konsumo kann man nicht kaufen. Man muss also einen Dienst nach dem anderen abklappern: zuerst Konsumo; dann ein Magazin, dass die einzelnen Produkte vorstellt, und sich dort entscheiden; dann eine Preissuchmaschine, dann der Shop. Jeder macht das, was er gut kann.

Dennoch erwarte ich bereits von einem journalistischen Angebot, dass es mir erklärt, was die einzelnen Eigenschaften eines Produkts bedeuten. In jeder Redaktion wird irgendwann einmal diskutiert, ob man ein Glossar benötigt oder nicht. Konsumo ist so ein Glossar – für das Onlinemagazin, für die Preissuchmaschine und für den Shop. Oder könnte es zumindest sein. Als ich unter dem Stichwort Bürostuhl nach „hydraulisch“ suchte, war da Fehlanzeige.

Konsumo ist ein interessanter Ansatz. Es befinden sich auch schon viele Texte im System, die Jungs haben gute Arbeit geleistet. Dennoch muss sich noch viel mehr tun, wenn die Informationen brauchbar sein sollen und die Nutzer sich dann auch noch angewöhnen, vor dem Kauf bei Konsumo vorbeizuschauen. Das ist eine hohe Hürde, die gleich am Anfang steht. Ich wünsche den Kollegen viel Glück, dass ihre Nutzer diese überspringen.

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