Coole Geschäftsidee

Fernab des Schreibtisches kommt man bekanntlich auf die besten Ideen. Eben mal raus zum Kaufmann und dabei noch eine kleine Runde gedreht. Frische Luft tanken, denn die gibt es schließlich umsonst. In der Nähe der Bundeskunsthalle hörte ich dann einen dieser unsäglichen Klingeltöne. Monsterlaut. Gerade wollte ich mich über diesen vermutlich ausländischen Bengel echauffieren, da sah ich ein paar hundert Meter vor mir einen Eiswagen mit quietschenden Reifen um die Ecke biegen. Ich hatte recht, ein Italiener!

Mit diesem riesigen Klotz von Bundeskunsthalle vor den Augen fühlte ich mich aber dennoch wie auf dem Dorf. Bei uns kam früher der Eis Molin vorbeigefahren. Der klingelte immer so. Der Eiermann und der Bäcker auch. Und sogar ein Tante-Emma-Laden auf Rädern. Dann kamen innerhalb von fünf Minuten alle angelaufen. Coole Idee. Der Eiswagen in Bonn fährt in der Mittagszeit zu den Büros (denn sonst ist da nichts), klingelt mal so, und die feinen Damen und Herren kommen wie die Hunde aus ihren Arbeitsstuben gelaufen.

Als ich näher kam, sah ich: Der steht gar nicht vor einem Büro, sondern vor dem Parkhaus der Bundeskunsthalle. Ein einzelner Mann schleckte Eis. Der Parkwächter vielleicht? Woher weiß der Eismann bloß, dass der Mann im Parkhaus gerade ein Eis will? Der hat bestimmt angerufen!

Und das ist nun meine Geschäftsidee: Im Eiswagen gibt es einen GPS-Empfänger, der sendet seine aktuellen Positionsdaten immer an die Eiswagenwebsite. Wer nun ein Eis möchte, kann dort sehen, wo sich der Wagen gerade befindet und mit seiner Adresse (auf Kundenseite ist kein GPS erforderlich!) ein Eis bestellen.

Bevor der Eiswagenfahrer weiterfährt, schaut er nun, wo sich gerade seine potentielle Kundschaft aufhält und markiert den Punkt, den er als nächsten anfährt (wird in einer Web-2.0-Applikation als Route angezeigt). So weiß man auch gleich, ob der Eiswagen zu einem kommt oder sich in die entgegengesetzte Richtung bewegt. Im letzteren Fall hat man eben Pech gehabt (ist unternehmerische Freiheit, also gut).

Wer setzt das nun um? Ich habe gerade keine Zeit. Auf dem Höhepunkt des Hypes, sagen wir mal im Februar (sechs Monate sollten reichen), wird das Geschäft an Holtzbrinck verkauft. Im Anschluss daran kann man dann ja einen Marktplatz bauen. Mit konkurrierenden Geschäften. Erst Bonn, dann Deutschland – und schließlich China. Wie Anrufsammeltaxis, nur mit Eiswagen. Cool, was?

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Keine Kommentare

  1. Der „vermutlich ausländische Bengel“ zählte vermutlich zum Prekariat? Das hat nämlich, ob in- oder ausländisch, eine abartige Neigung zum Klingeltonmissbrauch 😉

    Ich fürchte, Deine Geschäftsidee ist wirtschaftlich wenig tragbar… eher kommen die Kunden zum Eiswagen, als der Eiswagen zum Kunden… sorry 😉

  2. Ich dachte immer, die mit dem Genitalsurrogatgebimmel wären nicht die auf dem absteigenden Ast, sondern die bereits unten angekommen sind. Nicht Prekariat, sondern Unterschicht – wie Herr Schmidt sagen würde. Konnte den Fahrer aber nicht wirklich erkennen.

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