Über die Vergänglichkeit der Liebe

Martenstein finde ich toll. Mein Problem ist nur, dass ich alle seine Zeit-Kolumnen schon zu kennen scheine. Auch die ungeschriebenen. Wenn ich donnerstags das Leben in der Zeit aufschlage, denke ich, wenn ich zum ersten Mal Martenstein lesen würde, ich wäre begeistert. Doch hört sich an wie letzte Woche.

Martenstein-Kolumnen sind irgendwie alle gleich: Die Zeit hat ihm ein Thema geschickt, hier improvisiere ich mal, die Leere. Leer ist auch eine Stadt in Ostfriesland. Dann erzählt er, wie herzlich unausgefüllt seine Kindheitsurlaube an der Nordsee waren. Zum Schluss führt er beide Themen wieder zusammen: Martenstein in Ostfriesland, das ist Leere.

Einige Dinge, einige Autoren, sind nur für eine bestimmte Zeit gemacht, für ein bestimmtes Lebensalter.

Als die Freunde auf dem Schulhof sich die Spex zusteckten, habe ich die Tempo abonniert. Keine schlechte Zeit. Ich fuhr nach Hannover ins Wilhelm-Busch-Museum und sah eine Ausstellung von Ralph Steadman. Ich kaufte mir meinen ersten Herbert Genzmer: Freitagabend. Die Liebe zu Steadman und Genzmer ist geblieben. Die Tempo, nun ja, habe ich abbestellt. Schon lange ist sie eingestellt.

Danach abonnierte ich den Spiegel. Meine Eltern lasen nur das Westfälische Volksblatt. Als ich dort auszog, bestellte ich auch den Spiegel wieder ab. Seitdem habe ich höchstens zwei, drei Ausgaben der Zeit verpasst. Eine Liebe, die in meinem Leben mitwächst. Ich möchte die Zeit nicht missen.

Ein ehemaliger Freund hat es mal auf den Punkt gebracht. Ich erschien zu einem Treffen, da war ich Mitte zwanzig mit Hermann Hesses Steppenwolf unter dem Arm. Sein Kommentar: Bist du nicht langsam zu alt dafür? Sorry, Harald, ich mache jetzt schluss. Wir haben uns nichts mehr zu sagen. Du mir nicht. Und ich dir an dieser Stelle auch nichts mehr.

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