Wo sind die Zeitläufte?

Den Unterschied macht das „f“. Wer „Zeitläufte“ schreibt statt „Zeitläufe“, erweist sich als gebildet – oder als Zeitleser. Das Studium der Zeitläufte war auch ein fester Bestandteil meines Zeitkonsums innerhalb der letzten fast sechszehn Jahren. Dann habe ich gekündigt. Doch nun bin ich online auf die Suche gegangen – vergeblich.

In welches Ressort gehören eigentlich die Zeitläufte? In der gedruckten Zeit erscheint es im Buch Chancen. Dieses Ressort füllt die ersten Seiten, dann folgen die Stellenanzeigen, auf der letzten Seite schließlich findet man die Zeitläufte. Online gibt es keine Chancen, sondern den Campus. Dort tauchen unter den Rubriken jedoch keine Zeitläufte auf. Das Gleiche gilt für die Online-Ressorts Bildung und Wissen.

Im nächsten Schritt befragte ich die Suchmaschine. „Zeitläufte“ brachte vier Treffer. Unter anderem auch „Die Vermessung des Leids„, ein Bericht über den Zustand der SPD (welch Ironie!). Nur einer war mit Zeitläufte überschrieben. Eine Rubrik Zeitläufte gibt es auf Zeit online offensichtlich nicht. Und wenn es sie gäbe, dann würde ich mir einen RSS-Feed wünschen – ganz für sie allein.

Beteilige dich an der Unterhaltung

Keine Kommentare

  1. Vielen Dank für den Link. Bei Zeit Online hat sich offensichtlich einiges getan. Vorerst aber nur im Hintergrund. Das grundsätzliche Probleme, wie so viele Inhalte auf einem kleinen Monitor platziert werden, besteht nach wie vor. Was die gedruckte Zeit ausmacht, lässt sich meiner Meinung nach nur schlecht auf Zeit Online übertragen. Ich wurde mittlerweile auch dort als Leser verloren.

  2. Ich glaub, du heißt in Wirklichkeit Peter Löscher! Und: Nein, meine Hinweise sind keine Werbung für den Blog eines auch für mich Unbekannten gewesen – sie sollten vielmehr neue Einblicke eröffnen. Aber wie sagen die Psychologen so gern? – Lernen ist für die meisten unmöglich, sie bleiben lieber Selbstdarsteller! Aber wer sich selbst nicht kennt, wird andere niemals kennenlernen. Das ist auch ein Grund dafür, dass einige meiner Feunde an UFO, nein, es heißt nicht UFO’s (Objekte sind schon Plural und Objektes gibt es nicht), glauben.

  3. Drei Kommentare mit Namensnennung und Link haben einfach den Eindruck erweckt, dass es hier um Link-Building geht ? zumal der inhaltliche Bezug äußerst dünn war. Falls ich mich geirrt habe, tut es mir leid.

  4. Ich nehme Ihre Entschuldigung an und werde Ihnen, wenn ich mal mehr Zeit habe, eine Antwort zum Wort „Zeitläufte“ reinschreiben – einfach dafür, dass Sie die Kraft gehabt haben, mein derzeit noch obenstehendes Kommentar ohne Gram erduldet zu haben. Das bewundere ich sehr, kommt nämlich sehr selten vor, dass jemand solche Stärke beweist. Nun dürfen Sie dieses und obenstehendes Kommentar löschen, da sie für die Leser des Blogs sicher nicht interessant sind. Auch ich werde solch eine Handlung ohne Gram ertragen: danke und bis dann.
    K.E.

  5. So, jetzt habe ich, nachdem ich meine Plakate endlich fertiggestellt habe, mal kurz Zeit, um meinem Versprechen nachzukommen: Fast hätte ich die Seite nicht wiedergefunden, da ich sie nicht gespeichert gehabt habe. Und ja, Zeitläufte anstatt Zeitläufe zu verwenden ist in den meisten Fällen als die Unart zu bezeichnen, sich abgrenzen und gegen das vermeintlich nur Normale erhöhen zu wollen. Aber: Am Ende sind wir alle tot!

    Der Zeitlauf (Sg., m.,), die Zeitläuf(t)e (Pl., m.) ? im Plural sind beide Formen erlaubt, Zeitlauf ist heute zwar die übliche Verwendungsform, Zeitläufte ist aus früheren Zeiten erhalten geblieben, wobei diese Form heutzutage der gehobenen Formulierung vorbehalten bleibt.

    In der Lyrik werden solche Formen oft aus stilistischen Gründen vorgezogen oder aber auch am Versschluss als männliche oder weibliche Kadenz eingesetzt, wobei das Suffix des am Ende stehenden Reims des Verses bei prosodischem Übertragungsversuch das klangliche Ende der Zeile markiert. Verschiedene Strophen verlangen bei verschiedenen Reimen am Versende entweder maskuline oder eben feminine Kadenzen. Einige Strophen der Metrik verlangen sogar nach kadenziellem Wechsel, was bedeutet, dass eine Zeile männlich, die nächste aber weiblich enden muss.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.