Nöö

werden wohl die meisten Onlinemedien sagen, wenn der Presserat 2009 mit der Aktentasche unterm Arm erscheint. Ja, wo eigentlich? Auf dem Bildschirm? Im Türrahmen?

Golem schreibt:

Anbieter von Telemedien mit journalistisch-redaktionellen Inhalten, soweit sie nicht als Rundfunk einzustufen sind, sollen ebenfalls die Möglichkeit erhalten, sich der publizistischen Selbstkontrolle anzuschließen, sofern sie sich zum Pressekodex als Regeln für guten Journalismus sowie den Grundsätzen zum Redaktionsdatenschutz bekennen und sich der Spruchpraxis des Presserats unterziehen.

(Hervorhebung durch Netzausfall.)

Wen interessiert das denn? Welches Fanboy-Magazin mit zwei Millionen Page Impressions im Monat, einer kleinen News-Sektion und einem groooßen Forum, wo die Administratoren mindestens drei Eier in der Hose tragen, interessiert sich denn für eine Rüge des Presserates?

Das System hat bisher im Printbereich funktioniert (hat es das?), weil es große Verlage gibt, die dahinter stehen. Und dann wurde Caroline als Gegendarstellung auf die erste Seite geklatscht. Wurde sie doch, oder? Print ist ja sowas von Achtziger Jahre. Hat da jemand was dagegen gesagt? Sagt eigentlich jemand was, wenn so eine Rüge nicht abgedruckt wird?

Als Chefredakteur von onlinekosten.de habe ich mir seinerzeit zwei Gegendarstellungen gefangen. Eine direkt nach Amtsantritt, da war ich machtlos. An dem Tag, an dem diese veröffentlicht wurde, hatten wir plötzlich ein sehr hohes Newsaufkommen. Was für ein Zufall. Was wird der Presserat wohl dazu sagen?

Die zweite Gegendarstellung haben wir sogar kalkuliert. Unsere Caroline hieß Linda (hätte ich jetzt L. schreiben müssen?). Es wurde übrigens auch mehr als nur zweimal versucht, uns was zu drücken. Klappte aber nicht.

Alles, was zerredet, zermürbt und verschleppt wird, landet letztlich vor Gericht. Oder auch nicht. Das ist ja gerade die Taktik. Da kann der Presserat so viel in seine Sessel pupsen, wie er will. Der Gesetzgeber ist gefragt – mit klaren Regeln und einer kleinen Hürde, um sein Recht einzufordern.

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Keine Kommentare

  1. Vor dem Presserat zittert schon lange keiner mehr. Was die schlimmstenfalls tun können, ist, ne Rüge auszusprechen, die jeder zwei Tage später schon wieder vergessen hat. Die Idee, damit mehr Content zu erzeugen, finde ich indes schon wieder genial. 🙂

  2. @Mr Juergen.

    Ich glaube Peter bezog das eher auf die
    Anzahl neuer artikel, die die Gegendarstellung leider leider schnell von der Frontpage ins Archiv gedrueckt haben.

    Aber vorsicht, wenn sich das herumspricht, wird zukuenftig auch die verweildauer von Artikeln auf der Frontpage gemessen und dann muss die Gegendarstellung ebenso lange dort bleiben.

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