„Polizei steht nicht zur Verfügung. Was sollten Sie tun?“

Stellen Sie sich vor, Ihr Nachbar, mit dem Sie in langer und blutiger Fehde lagen, zöge ein Gewehr heraus und schösse in Ihre Wohnung. Er schießt aus seinem eigenen Wohnzimmer, das voller Frauen und Kinder ist. Mehr noch: Er hält seine Tochter auf dem Schoß, während er Ihre Kinder anzuvisieren versucht. Er verkündet, dass er nicht damit aufhören werde, bis Ihre Familie tot ist. Polizei steht nicht zur Verfügung. Was sollten Sie tun?

Eine Möglichkeit ist, gar nichts zu tun oder wenig. Das versuchen Sie eine Zeitlang. Schließlich ist Ihr Nachbar arm und traumatisiert, und ein Teil der Schuld daran trifft Sie. Aber als eine Kugel im Schlafzimmer Ihres Kindes einschlägt, entscheiden Sie, dass es nun genug ist. Sie holen Ihre bei weitem überlegene Waffe heraus und versuchen sich an einer chirurgischen Maßnahme: auf den Kopf des Schützen zu zielen und dabei die Unschuldigen zu verschonen.

So steht es auf faz.net – in aller Deutlichkeit. Es geht um den Konfikt in Gaza. Mir geht es nicht um den Inhalt. Diese Beitrag auf faz.net ist auch bloß die Antwort auf einen zweiten, konträren. Mir geht es um die Deutlichkeit.

Wer schreibt so etwas sonst? Ein Kommentator. In nachrichtlichen Meldungen wird dagegegen referriert, wo eine Rakete abgeschossen wurde und wo sie eingeschlagen ist. Anschließend folgen Politikerzitate.

Dabei sollen Medien einordnen – auch wenn es über drastische und zwangsläufig vereinfachende Bilder geschieht. Man sollte es dem Leser zugestehen, dass er die Unterschiede erkennt.

Bei dem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag. Die Autorin „lehrt Geschichte an der Universität von Haifa und Modern Israel Studies an der Monash-Universität“. Von einem Redakteur hatte ich solche Worte auch nicht erwartet.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.