Talk Shows: Ein leerer Kopf bleibt leer

Ich habe etwas gemacht, das ich sonst nicht mache, Anne Will geschaut. Ich habe einen Google Alert zu Norbert Bolz laufen, dieser war dort am Sonntag zu Gast. Am gestrigen Montag habe ich dann tagsüber die Talk Show über die Mediathek nachgeschaut ? zwischendurch in 5-Minuten-Happen. Andere Leute gegen rauchen.

Ich weiß nicht wirklich, worüber die geredet haben. Thilo Sarrazin hat ein Buch geschrieben, das umstritten ist. Am Ende der Sendung wusste ich immer noch nicht weshalb ? nicht im Detail.

Matrjoschka-Puppen

Ich hatte vorher schon etwas darüber gelesen, meist nur die Überschriften und vielleicht zwei Artikel am Rande. Frank Schirrmacher hat in der FAZ versucht, die Problematik ein wenig offenzulegen:

Thilo Sarrazin hat nicht ein Buch geschrieben, sondern mindestens drei Bücher, die den gleichen Titel tragen. Sie sind ineinander verschachtelt wie die russischen Matrjoschka-Puppen. Es geht um Demographie, um Wirtschaft und dann, im innersten Kern des Ganzen, um Biologie. Wer zu der dritten Puppe nicht vorstößt, versteht das Ausmaß der Aufregung nicht. Aber von ihr hängt die Architektur des Ganzen ab.

Bei Anne Will war nichts davon zu vernehmen ? weder von der Redaktion noch von den Gästen (auch wenn das Bild von den verschachtelten Puppen verkürzt zitiert wurde). Immer wieder wurde zwischen diesen drei Ebenen gesprungen. Wer vorher nicht wusste, worum es ging, wusste es hinterher auch nicht. Das ist die Realität öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

It’s the newspaper, stupid

Das war eine Unterhaltungsssendung mit zugegeben guten Pointen zwischendurch. Wenn man diese Stunde aber verwendet hätte, um zwei, drei gute Hintergrundartikel zum Thema Sarrazin zu lesen (in FAZ, Zeit oder Süddeutsche; in der Zeitung oder online), würde man jetzt wissen, worum es geht.

Dass bei einer Umfrage, die Anne Will am Anfang der Sendung zitierte, 18 Prozent gesagt haben, sie würden eine Sarrazin-Partei wählen, geht letztlich auch auf solche Talk Shows zurück, die Plakatives zur Schau stellen statt Inhalte zu vermitteln. Das ist Reproduktion.

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