Auch Journalismus ist ein Handwerk

Das ist undankbar, was Dollase da macht (FAZ vom 12.02.1022, S. 22).

Eigentlich käut Dollase bloß zwei Thesen zur Kreativität wieder ? bezogen auf die Sternegastronomie: 1. Wer die Masse erreichen will, darf nicht kreativ, sondern muss auf gehobene Weise mittelmäßig sein. 2. Wer einmal kreativ und damit außergewöhnlich war, traut sich nicht mehr, etwas zu ändern, und ist damit auch nicht mehr kreativ. ? Da widerspricht ihm keiner.

Undankbar ist, dass er sich „Halbedel’s Gasthaus“ als Beispiel ausgesucht hat. Es geht ihm nicht darum, das Sternerestaurant zu beschreiben. Er benutzt es lediglich, um seine Thesen zu stützen. Da bleibt ihm dann auch gar nichts anderes übrig, als etwas zu loben, um dann wieder etwas der Mittelmäßigkeit zu bezichtigen.

Er macht damit journalistisch aber genau das, wofür er Halbedel rügt. Er bewegt sich irgendwo in der Mitte ? unangreifbar. Zu jedem Gang, zu jedem Detail, auf das man Dollase anspricht, kann er dann sagen: alte Genialität. Oder: neues Mittelmaß. Das ist die gleiche Beliebigkeit, die er dem Mittelmaß vorhält.

Aber nicht nur das Kochen ist Kunst und zugleich Handwerk ? auch der Journalismus. Zwei Dinge sind mir beim Lesen aufgestoßen.

Die beiläufige Erwähnung der „gutdotierten Ministerialbürokratie“ in Bonn und der Lage des Restaurants im Godesberger Villenviertel soll wohl suggerieren, wer bei Halbedel essen geht und an wem der Anspruch gemessen wird. Nur hat er damit nicht Recht.

Bonn besteht keineswegs nur aus Ministerien, sondern zu einem guten Teil aus Telekom, Post und mehr. Und bei Halbedel kehrt sicherlich nicht nur Laufkundschaft aus der Nachbarschaft ein oder der normale Bonner. Es gibt genug Mittelstand in der Umgebung und Medien in Köln, die sich alle in einem größeren Radius bewegen ? sogar über Mönchengladbach hinaus.

Und auch das sei gesagt: Wer kein Naturwissenschaftler ist, sollte solche Bilder nicht gebrauchen. Er könnte sie nicht hinreichend verstanden haben. Das wäre für guten Journalismus aber notwendig. Das „Momentum“ im Schlussabsatz ist schön gewählt, aber „Explosion“ und „Implosion“ sind wie alle Superlative in der gehobenen Schreibkunst nur mit Bedacht zu wählen.

Weshalb ich mich hier über eine Gastronomiekritik echauffiere? Der Fisch, den Herr Dollase gegessen hat, wurde von einem Freund bereitet. Da musste ich einfach Stellung beziehen. Ohne Wenn und Aber.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.