FAZ: Ein bisschen mehr Zeitung im Internet

Seit einigen Tagen zeigt sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung im neuen Onlinegewand. Der Webauftritt erinnert jetzt mehr an die gedruckte Zeitung. Für mich ist das ein Fortschritt, für andere vielleicht nicht.

Der neue Kopf gefällt mir. Die in zwei thematische Ebenen geteilten Ressorts sind endlich weg. Dieser Bereich ist nun übersichtlicher, dennoch bleibt vieles kleinteilig. Die Aufzählung der Herausgeber hätte dort nicht hingemusst. Generell gilt aber: Es gibt viel mehr Weiß.

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Auf den Artikelseiten ist alles größer geworden. Früher musste ich den Text vergrößern, um überhaupt etwas lesen zu können. Momentan findet sich im Text auch keine Werbung. Unterbrechungen wie Bilder, Videos, Linkboxen ziehen sich über die gesamte Spaltenbreite, das ist angenehm.

Die Reiter oberhalb des Textes habe ich schon woanders gesehen. Mir bringen sie nichts, vor allem sind sie zu groß geraten. In den ersten Tagen musste man, wenn ich das richtig gesehen habe, über die Reiter gehen, um Bilderserien und Videos aufzurufen. Jetzt scheinen diese aber wieder komplett in den Text eingebunden und darüber erreichbar zu sein.

Die größte Veränderung hat die Startseite hinter sich. Sie erinnert jetzt an das Titelblatt der Printausgabe. In zwei von drei Spalten werden klassisch einzelne Geschichten angerissen, in der dritten Spalte findet sich das Gedöns wie auch neben jedem Artikel.

Ich mag diese Aufteilung nicht. Bei so vielen Inhalten bleibt die Schrift auf der Startseite zu klein. Da alles wie bei einem Zeitungsblatt weiß hinterlegt ist, fehlt die Struktur. Auf einem Blatt Papier kann ein Auge relativ schnell drei Spalten abfahren und an den interessanten Stellen hängenbleiben, am Monitor muss dafür gescrollt werden.

Dieser Unterschied in Zeit und Aufwand, wird letztlich dazu führen, dass weniger wahrgenommen wird ? und auch geklickt. Für das iPad mag es noch eine besonders formatierte Version geben, es gibt aber noch mehr kleine Bildschirme, auf denen die große Version kaum Platz findet.

Ich bin ein Freund von zweispaltigen Layouts, auch auf der Startseite, wenn es aber drei unbedingt sein müssen, hätte man sie in Funktion besser aufteilen können. Zum Beispiel die Schlagzeilen in der Mitte, die Kommentare (die sind Markenzeichen der FAZ) ganz links und rechts die klassische Sidebar, am besten farbig hinterlegt.

Auch die Blöcke für die einzelnen Ressorts weiter unten finde ich nicht gelungen. Sie sind auf zwei Spalten aufgeteilt und wirken unruhig, da sie nicht auf gleicher Höhe abschließen. Das Auge springt ? erst hin und her, dann aber sehr schnell weg. Drei Meldungen pro Ressort sind außerdem zu wenig.

Für die einzelnen Ressortseiten gilt, was ich für die Startseite geschrieben habe. Die Themenseiten werden anscheinend am wenigsten redaktionell betreut, da sollte man nicht meckern. Sie sind wie eine Suche mit voreingestelltem Filter.

Ästhetisch finde ich die Annäherung an die Druckausgabe der Zeitung gelungen, praktisch ist sie aber nicht. In meinem Fall spielt das aber keine so große Rolle, denn ich gelange zu den Artikeln der FAZ fast ausschließlich über RSS-Feeds. Die Startseite bekomme ich so gut wie nie zu sehen, in Zukunft werde ich sie noch seltener aufrufen, weil sie mir keinen Überblick gibt.

Bei der Umstellung sind meine RSS-Feeds allerdings durcheinander geraten. Das kann vorkommen, schön finde ich es trotzdem nicht. Die alten Feeds für Medien und Kino bieten mir nun einen Mix aus mehreren Ressorts, wahrscheinlich sind es die Hauptschlagzeilen. Das werde ich am Wochenende neu einstellen, dann ist auch gut.

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