Google geht offline

Google soll einen eigenen Versanddienst aufbauen ? nach Vorbild von Amazon und seinem Dienst Prime.

Google durchsucht das Internet, vermittelt Werbeplätze auf Websites und betreibt einen populären E-Mail-Dienst. Doch Google erschließt sich auch Geschäftsfelder außerhalb des Internets. Der neueste Coup soll der Aufbau eines eigenen Versanddienstes sein. Jeder kennt die Pakete, auf denen groß Amazon zu lesen ist. Da würde dann Google stehen.

Das Wall Street Journal berichtet, dass Google Gespräche führt mit großen Handelsketten und Paketdiensten. Das Ziel sei, die Ware innerhalb eines Tages zu liefern ? gegen eine geringe Gebühr. Das erinnert an den Dienst Amazon Prime, der hierzulande 29 Euro pro Jahr kostet und neben anderen Vorteilen eine solch schnelle Lieferung garantiert. Das bedeutet aber auch, dass Google Paketzentren betreiben würde oder zumindest seinen Namen dafür hergeben.

Auch wenn der Amazon-Klon dann nur über das Internet zu erreichen wäre und Google alle Aufgaben, bei denen Waren bewegt werden, an Subunternehmer abgegeben hätte, Google würde erstmals als Offline-Marke wahrgenommen werden. So ist das auch bei Amazon. Dort ärgert man sich nicht, wenn die Website langsam ist, sondern wenn das Paket zu spät oder beschädigt ankommt.

Erste Schritte außerhalb des Internets

Google ist jedoch nie ein reines Online-Unternehmen gewesen. Von Beginn an hat der Suchmaschinenbetreiber eigene Serverfarmen unterhalten. Legende ist, dass Google sich diese mit relativ alter und daher billiger Hardware zusammengeschraubt hat. Google hat auch zwischenzeitlich für Mobilfunkfrequenzen geboten und in erneuerbare Energie investiert. Das lässt sich jedoch so erklären, dass damit lediglich das Geschäft online unterstützt werden sollten.

Im letzten Jahr gab es allerdings zwei Geschäftserweiterungen, bei denen das anders ist. Eine ist Google Wallet. Sie könnte das eigentliche Vorbild für den Amazon-Klon sein. Auch hier baut Google eine Plattform, an denen verschiedene Unternehmen beteiligt sind. Google sorgt für den geordneten Ablauf. Der Kunde kann im Laden mit seinem Smartphone bezahlen, das alle Funktionen einer Kreditkarte ersetzt. Die eigentlichen Bankgeschäfte bleiben aber bei den alten Unternehmen.

Überraschend war dagegen die Übernahme von Motorola. Google wird damit zum Betreiber von Fabriken. Die Frage nach der Integration in die Unternehmenskultur wurde ganz einfach beantwortet: Motorola und Google bleiben getrennt. Bislang ist noch nicht klar, ob Google lediglich an den Patenten interessiert war oder noch andere Pläne für Motorola hat.

Schon einmal gescheitert

Auf der anderen Seite trennt sich Google von immer mehr Online-Diensten. Google Wave hatte das Potential, E-Mail und Chat zu ersetzen, aber keinen Erfolg, jetzt wird der Dienst eingestellt. Stattdessen kommt es zu einer stärkeren Verknüpfung von Online- und Offlinewelt. Ein erster Versuch dazu war bereits gescheitert, und das könnte auch jetzt ein Ansporn sein.

Das Smartphone Google Nexus One sollte vor zwei Jahren über die eigene Website verkauft werden und nicht über die Netzbetreiber. Es ließ sich nur im Internet bestellen und wurde dann direkt ins Haus geliefert ? ohne Vertrag, aber auch ohne Subventionierung. Der Verkauf blieb hinter den Erwartungen zurück, Google stellte die Plattform wieder ein.

Ein von Google organisierter Versandhandel würde das alte Problem nicht umgehen, sondern müsste es lösen: Wie kommen Kunden auf die Plattform, die dann auch noch kaufen? Hier bietet sich unter anderem eine Verknüpfung mit Google Places an. Die Abwicklung des Rests erledigen dann externe Dienstleister.

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