Bada und Tizen bilden Ökosystem

Bada-Anwendungen werden auch auf Smartphones mit Tizen laufen, verschmelzen werden beide Systeme aber nicht. Nokia muss sich fragen, ob man nicht Samsung statt Microsoft als Partner hätte wählen müssen.

Neu erfinden muss sich nur derjenige, der keinen Erfolg hat, der Erfolgreiche braucht bloß seinen Weg fortzusetzen. Warum also setzt Samsung weiterhin auf sein hauseigenes Betriebssystem Bada? Warum engagiert sich Samsung beim MeeGo-Nachfolger Tizen? Das erste Software Developer Kit (SDK) für Tizen, das in der letzten Woche veröffentlicht wurde, legt nahe, dass sich Bada und Tizen annähern. Tae-Jin Kang, Samsungs Senior Vice President Contents Planning Team, bestätigte dies gegenüber Forbes. Von einem Verschmelzen, wie viele Medien berichtet haben, würde ich aber nicht sprechen.

Tizen (Bild: realnorth)

Es wird eine gemeinsame Basis von Bada und Tizen geben mit den gleichen Entwicklerwerkzeugen (SDK) und Schnittstellen (API). Bada-Apps sollen auf Tizen laufen, nicht nur neue für Bada 3.0 auch alte. Damit würde Tizen von Beginn an mit vielen Anwendungen ausgestattet sein, denn auch MeeGo-Anwendungen sollen auf Tizen laufen.

Es wird aber auch Unterschiede geben. Bada wird sich vorerst nur auf Einsteiger-Smartphones mit Single-Core-Prozessor finden, Tizen soll dagegen auf Highendgeräten laufen und gegen Android antreten. Der Schluss liegt nahe, dass MeeGo-Anwendungen nie auf Badageräten laufen werden. Wer aber außer Samsung sollte das erste Tizen-Smartphone entwickeln?

Hat Nokia den falschen Partner gewählt?

Wann es soweit sein wird, ist noch unklar. Einen Termin konnte Kang noch nicht nennen, die Arbeiten hätten aber bereits begonnen. Bada 3.0 soll bereits Open Source werden, erwartet wird es für das erste Halbjahr 2012.

Bada ist jetzt zwei Jahre alt, aber noch nicht ausgereift. Das hat aber kein mobiles Betriebssystem zuvor so schnell geschafft. Auch Apple hat mit iOS einen Lernprozess durchlaufen müssen, im ersten Jahr gab es zum Beispiel noch keinen App Store, Steve Jobs setzte ganz auf Webanwendungen, die im Browser laufen. Google wurde gescholten, dass Android aus dem Stand nicht so gut wie iOS gewesen war. Und auch Microsoft hat für Windows Phone um Zeit gebeten.

So schön das Lumia 800 und das Lumia 900 auch geworden sind, Respekt und Anerkennung hat Nokia vor allem für das MeeGo-Smartphone N9 erhalten. Was für eine Marktmacht wäre entstanden, wenn sich Nokia und Samsung zusammengetan hätten, um mit MeeGo/Tizen ein drittes Ökosystem hinter Apple iOS und Google Android zu etablieren und nicht Nokia und Microsoft? Bereits bei Symbian hatten Nokia und Samsung zusammengarbeitet.

Nachtrag von 17:46 Uhr

Das zum Wall Street Journal (WSJ) gehörende Blog AllThingsD sowie die Nachrichtenagentur Reuters haben von Samsung Stellungnahmen eingeholt, die man so oder so lesen kann – als Bestätigung, aber auch, dass noch nichts in trockenen Tüchern sei. Interessant dabei ist, dass das Wort Fusion nicht in den Zitaten zu finden ist, sondern lediglich im begleitenden Satz des Autors.

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