Blogtrottr: Eine Alternative zum Google Reader (I)

Der Google Reader war einmal genial, und er ist immer noch sehr gut. Doch er ist auch ein Intrument, mehr über mich herauszufinden und mir meinen uneingeschränkten Blick auf das Internet zu verbauen. In meinem Fall heißt das, dass die erste Seite der Google-Suchergebnisse, wenn ich eingeloggt war, für mich oft nur noch wenig Wert hatte, weil mir dort kaum noch Links gezeigt wurden, die ich nicht schon kannte oder die mir zumindest gedanklich so nahe standen, das sie nicht den Zweck erfüllten, weshalb ich eine Suchmaschine nutze: Neues zu finden. Jetzt habe ich einen Ersatz für den Google Reader gefunden: Blogtrottr.

Alle ein, zwei Stunden den Google Reader zu öffnen, interessante Links zu anzuklicken und mich anschließend wieder auszuloggen, das war mir nicht genug. Ich will ganz weg von Google, die einzelnen Dienste durch andere ersetzen. In dieser Hinsicht überrascht Blogtrottr, denn dabei handelt es sich um keinen Feedreader, Blogtrottr sammelt die Feeds zwar genauso ein wie der Google Reader, stellt diese dann aber per E-Mail zu. Das funktioniert erstaunlich schnell und zuverlässig. Eine Umstellung ist es dennoch.

Irgendwann wird es kosten

Ohne geht es aber nicht. Daher ist es auch ein Fehler, immer nach Ähnlichem Ausschau zu halten. In diesem Fall gibt es das einfach nicht. Bloglines bietet zwar eine Oberfläche für Desktop-Rechner sowie für mobile Geräte, doch das Design ist schlecht und vor allem ist der Dienst nicht schnell genug. Das betrifft die Steuerung innerhalb der Oberfläche sowie den Feedabruf im Hintergrund. Gerade deutschsprachige Quellen wie Zeit, FAZ und Heise erscheinen mit bis zu zwei Stunden Verspätung. Für jemanden, der einen Feedreader wie einen Ticker nutzt, ist dies zu langsam.

Ähnliches gilt für andere Online-Feedreader. Software auf dem Rechner, Browser-Plugins und E-Mail-Programme kommen ebenfalls nicht infrage. Bei einem hohen Feedbestand rufen sie diesen auf Knopfdruck viel zu langsam ab, außerdem kann man so nicht seine Nachrichten auf mehreren Geräten lesen. Immer wieder vorgeschlagen werden Lösungen für den eigenen Server: TinyTinyRSS oder Skripte, die wie Blogtrottr die RSS-Feeds per E-Mail zustellen. Im Einzelfall mag das eine Lösung sein, jedoch nicht für die Allgemeinheit.

Blogtrottr befindet sich im Betastadium, die Nutzer sind derzeit noch Tester der Pro-Version. Das Problem dieser Dienste ist, wenn sie gut gemacht sind, werden sie entweder aufgekauft, gerne auch von Google, und plattgemacht, oder sie verdienen kein Geld, werden nicht weiterentwickelt und verwaisen. Man muss daher abwarten, wie letztlich das Preismodell aussehen wird. Wenn man aber eine Alternative zum Google Reader haben möchte, sollte man bereit sein, ein, zwei Euro im Monat zu zahlen – gerade auch dann, wenn man den Feedreader intensiv nutzt, also 100 Feeds und mehr abonniert hat.

Im zweiten Teil schreibe ich darüber, wie ich Blogtrottr eingerichtet habe, im dritten Teil darüber, wie ich die Feeds lese.

Schau auch auf meine Themenseite: Was ist RSS?

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13 Kommentare

  1. ich bin mir nicht sicher, ob man lösungen auf dem „eigenen“ server wie tt-rss so schnell abtun sollte. aus meiner (eingeschränkten) erfahrung benutzen ja schon so simple dinge wie googles-rss-reader nur leute, für die auch tt-rss eine passende lösung wäre bzw. für die es zumindest technisch keine hürde wäre. und dann sind die daten eben wirklich bei mir und nicht nur nicht bei google, sondern auch nicht bei irgend einem anderen utnernehmen …

  2. Das ist ein gutes Argument, dass die Nutzer des Google Reader eher technisch versierte Leute sind. Und viele derjenigen, die sich nicht an den Server trauen, sind hinterher überrascht, wie leicht es ging – zum Beispiel WordPress zu installieren.

    TinyTinyRSS, Liliana und Gregarius möchte ich auch gar nicht abtun, sondern lediglich eine weitere Alternative zeigen – die mir zudem neu war. Blogtrottr weiß jetzt zwar, welche Feeds ich abonniert habe, aber nicht, wann und wie ich diese lese. Nutzungsstatistiken haben bei Google ja immer eine große Bedeutung.

  3. Hallo,

    TinyTinyRSS hatte ich in 10 Minuten installiert.
    Genial einfach. Beim Blog bin ich vor Jahren schon von Google zu einem selbst-gehosteten WordPress umgestiegen.
    Bei RSS erst jetzt.
    Ich bereue es nicht.

    Gruß

  4. TinyTinyRSS ist tatsächlich die Alternative, wenn man seine RSS-Feeds an einem eigenen Platz sammeln und lesen möchte. Wie auch bei WordPress im Vergleich zu Facebook und Twitter gilt: Selbst hosten ist immer besser. Und die Installation auf dem eigenen Server ist auch nicht schwer.

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