Das Amazon-und-Google-Paradox

Würde ich mir einen E-Reader von Amazon kaufen? Eher nicht. Aber ich werde in den nächsten Tagen eine Kurzgeschichte für den Kindle über Amazon veröffentlichen. Das ist das Paradox großer Plattformen: Man möchte sich nicht in abhängiger Position in der Nahrungskette sehen, aber füttert das Biest.

Amazon bringt Kindle Touch nach Deutschland„. Nicht nur das, auch in 175 andere Länder. Bislang gab es hierzulande nur den einfachen Kindle, seit einem Jahr, genauso wie den Kindle Store, also deutschsprachige E-Books über die Website des deutschen Amazonablegers. Eine Revolution ist das nicht. Ob man nur mit einem Wisch auf dem Display umblättert oder durch eine Taste, wen kümmert’s?

Der Kindle Touch wiegt 220 bzw 212 Gramm und kommt mit oder ohne Mobilfunkanschluss daher. Aber das ganze technische Gebimsel von 6-Zoll-Display, 167 dpi und 4 GB Speicher interessiert nicht, wenn es erstens leicht fällt, den Kindle zur Hand zu nehmen bzw. einzustecken, und wenn er dann zweitens nicht zu schwer wird mit der Zeit und sich auch bei grellem Licht noch gut ablesen lässt. Die Abstimmung darüber erfolgt bekanntlich mit den Füßen respektive an der Amazon-Kasse. Das Unternehmen scheint ganz zufrieden zu sein. Und nach den eben genannten Kriterien stehen Tablet, Smartphone und Laptop immer schlechter da.

Ähnlich mit Google

Die Alternative ist eine andere: der Sony Reader. Oder das Buch. Der E-Reader hat in Tests gut abgeschnitten. Er unterstützt auch das ePub-Format, das sich als faktisch freier Standard durchgesetzt hat wie MP3 bei Musik. Nur Amazon, der Marktführer, nutzt ein proprietäres Format. Man möchte also nur ungern seine Texte über Amazon anbieten, macht es aber, weil dort die meisten kaufen.

Ähnlich verhält es sich mit Google. Wer bloß ein allgemeines Unwohlsein verspürt mit dem Suchmaschinenbetreiber und Anzeigenvermittler, testet vielleicht hie und da eine andere Suche, kehrt aber meist zu Google zurück – der besseren Ergebnisse wegen. Eine Alternative zu Google ist DuckDuckGo. Durch zwei Dinge habe ich den Umstieg geschafft: DDG ist in meinem Browser als Standardsuchmaschine eingestellt, und mit dem Bang !gde kann ich fix über DuckDuckGo an die Googleergebnisse gelangen, wenn mein erster Versuch erfolglos geblieben war.

Der Vergleich mit Amazon trifft aber vor allem Google II. Im privaten Rahmen gibt es einige Alternativen zu Google (Fastmail statt Gmail, Blogtrottr statt Google Reader), da fällt der Kompromiss auch leichter. Als Betreiber einer Website ist das nicht ganz so leicht. Google Analytics lässt sich vielleicht noch durch Piwik ersetzen, aber seine gute Position im Ranking sollte man tunlichst nicht gefährden. „Wie reagiert Google?“, schwebt als Frage also ständig über einem. Und wer genug Besucher hat, um damit etwas Geld zu verdienen, kommt um Google AdSense auch nicht herum.

Und ja, in diesem Artikel finden sich zwei Affilialte-Links des Amazon-Partnernets. Warum auch nicht?

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