Von Ubuntu zurück zu Windows

Linux war die erste Wahl, als ich meinem Vater vor fast zwei Jahren meinen alten Rechner hingestellt habe. Die Hardware war zehn Jahre alt. Ich installierte Ubuntu, weil es den Ruf hatte, unkompliziert zu sein, und auch auf meinem Laptop lief. Dann kappte mein Vater das WLAN-Kabel. Das ist kein Witz! Der WLAN-Stick wurde über ein sechs Meter langes USB-Kabel verlängert, um die Abschirmungen in den Wänden zu umgehen. Als dann nach und nach Einstellungen verloren gingen (statt einem Panel gab es wieder zwei, die Schnellstarter waren weg), startete ich das längst fällige Update. Das Ergebnis: Mein Vater kaufte sich einen neuen Rechner, auf dem Windows 7 läuft, aber kein Linux mehr.

Aber der Reihe nach. Das Distributionsupdate von Ubuntu 10.10 auf 11.04 war kein Problem. Nach dem Neustart wurde angezeigt, dass die Hardware Unity nicht unterstütze (oder war es umgekehrt formuliert?). Ubuntu Classic ließ sich aber starten. Beim nächsten Update auf 11.10 kam wieder der Hinweis, doch weiter ging es nicht. Ubuntu wollte unbedingt neue Hardware haben. So kennt man das von Windows. Eine neue Windowsversion erfordert in der Regel einen neuen Rechner. In meiner Umgebung wird dies auch tatsächlich so gehandhabt.

Entwicklungen nicht gesehen

Warum hat Ubuntu nicht vor dem Distributionsupdate gewarnt, dass es danach nicht weitergeht? Das ist schlechte Usibility, also das, was Ubuntu eigentlich besser machen wollte als andere Linux-Distributionen. Und was passiert, wenn man sich auf diese Weise den einzigen Rechner im Haus lahmlegt und nicht einmal auf ubuntuusers.de nachlesen kann, was dieser Hinweis bedeutet. Eine akutelle Lubuntuversion kann man sich dann auch nicht mehr herunterladen.

Lubuntu wäre damals schon die richtige Wahl gewesen. Ich habe aber die Entwicklung nicht gesehen, die Ubuntu mit Unity nehmen wird und die höhere Anforderungen an die Hardware mit sich brachte. Ich habe auch nicht gesehen, dass Lubuntu sich so gut entwickelt und ein einfacher Fenstermanager wie Openbox völlig ausreicht. Eine komplette Desktopumgebung muss wirklich nicht sein. Für mich nicht. Für meinen Vater nicht. Gnome (Metacity) hat schöne runde Ecken. So what?

Nicht mehr basteln, einfach weg damit

Es ist nicht die Frage, was mein Vater mit Ende siebzig noch lernen kann, sondern wie sich das System ihm anpassen lässt, sodass er damit zurechtkommt. Mein Vater, gelernter Ingenieur, schließt den Dateimanager Nautilus, nachdem er eine Operation durchgeführt hat, um ihn dann wieder zu öffnen und die nächste durchzuführen. Rekursion auf ein bekanntes Problem. Immer wieder zum Anfang zurück, von dort kennt man den Weg. Er ist auch nicht davon abzubringen.

Seit Monaten schon digitalisiert er seine Bilder: Aufsicht wie Durchsicht, Positive und Negative, tausende. Der Scanner erfordert allerdings Windows. Ich hatte ihm eingerichtet, dass er beim Start entscheiden kann, welches Betriebssystem er bootet. Wir hätte auch eine andere Lösung finden können, aber mein Vater war es leid. Er wollte einen neuen Rechner haben, und er wollte mit nur einem Betriebssystem umgehen. Auch wenn Windows 7 mal wieder ganz anders aussieht als Ubuntu oder Windows XP bisher.

Und noch eine Anmerkung: Auf dem leistungsschwachen Rechner konnte ich GIMP und LibreOffice im Vergleich sein. Unter Windows XP sind beide Programme merklich schneller gelaufen als unter Ubuntu 10.10. Ubuntu ist so Windows geworden. Schrecklich.

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