Warum nicht die Zeitung am Kiosk per App bezahlen?

Vor 20 Jahren kannte ich Leute, die am Kiosk ihre Zeitung mit einer Wertmarke bezahlten. Sie hatten immer ein paar davon in ihrem Portemonnaie und konnten sie an jeder Bahnhofsbuchhandlung gegen eine Zeitung eintauschen. Das war bereits, wenn man so will, eine mobile Ausgabe der Zeitung. Ohne Anschaffung eines iPads, die Suche nach einem Platz im Zug mit Steckdose und dem Fluchen über Funklöcher entlang der Fahrstrecke.

Die Zeit

Ich dachte, diese Wertmarkenheftchen gäbe es gar nicht mehr. Die SZ hat jedoch Gutscheine, die „an ca. 30.000 deutschen Verkaufsstellen, in Österreich, in der Schweiz, in Luxemburg, in Südtirol, am Gardasee, auf den Balearen und in Portugal“ gegen eine Zeitung eingetauscht werden können. Bei der FAZ habe ich die Preise mal schnell überschlagen: Eine Ausgabe kostet 1,78 Euro mit Gutschein beziehungsweise 1,73 Euro bei Lieferung ins Haus.

Wer heutzutage als Vielreisender vermeiden möchte, dass sich die Zeitungen zuhause stapeln und jedem signalisieren, hier lohnt es sich einzubrechen, der nutzt das E-Paper – wahlweise als PDF oder als App für das iPad. Ich bin kein Freund davon. Abgesehen vom haptischen Genuss, das PDF lässt sich nur auf großen Bildschirmen gut lesen. Einmal im Jahr tut es auch das Subnotebook, aber doch nicht jede Woche. Die Apps auf Geräten mit kleineren Bildschirmen bieten nicht das Gleiche wie eine Zeitung. Die Texte sind dieselben, das Auge jedoch kann nicht mal schnell über die Seite fahren, um die interessanten Artikel zu identifizieren und den Rest auszublenden. Das ist schlichtweg eine Frage des Platzes.

QR-Code scannen, Bestätigung erhalten, Zeitung rüberreichen

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich in den letzten 20 Jahren das letzte Mal jemanden seine Zeitung mit Gutschein habe bezahlen sehen. Warum aber gibt es keine App, die die Wertmarke ersetzt? Gibt es doch nicht, oder? Dann müsste man auch keine Hefte mehr zusammenstellen mit Gutscheinen für unter der Woche und für Samstag. Die Preise unterscheiden sich nämlich. Am Ende des Monats würde man eine detailierte Abrechnung bekommen. Beim Handyticket im Nahverkehr funktioniert das bereits.

Man kann natürlich nicht verlangen, dass sich jeder Kiosk ein Terminal mit Internetanschluss anschafft, nur um die FAZ oder die Zeit zu verkaufen. Ein QR-Code würde reichen, eingescannt vom Handy. Die App würde Kontakt mit dem Verlagsserver aufnehmen und wissen, wieviel Guthaben noch auf dem Konto ist beziehungsweise wieviele Freiexemplare dem Kunden noch zustehen. Sie würde auch wissen, bei welchem Händler die Zeitung ‚kostenlos“ herausgegeben wurde und ihm dann seine Provision zukommen lassen. Dieser müsste natürlich noch eine Bestätigung erhalten, dass die Buchung korrekt abgelaufen ist.

Zusätzliche Kosten: ein laminierter QR-Code bei jedem Händler, die Entwicklung der App und ein Abrechnungssystem, das im Kern schon vorhanden sein und sich leicht anpassen lassen müsste. Es wird bestimmt für unsinnige Dinge mehr Geld ausgegeben. Die Idee lässt sich wohl auch so modifizieren, dass ein Startup das Ganze umsetzt – als Dienstleistung für einen Grossisten – und nicht die Verlage. Hat jemand Lust, das umzusetzen?

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