Was ich auf Twitter poste

Ich lese viel im Internet. In den letzten Monaten ist immer mehr Productivity Porn aus meinem RSS-Reader geflogen, hinzu kam viel neuer Stoff über Angel- und VC-Investing. Letztens habe ich schon über Crowdfunding vs. Crowdinvesting geschrieben, offensichtlich ist das gerade ein Thema für mich. Darum geht es heute aber gar nicht, sondern erst einmal um das Blog von Mark Suster, der als Teil von GRP Partners in Los Angelos Venture Capital in junge Internetunternehmen investiert. Es ist die Mischung, die sein Blog ausmacht.

Suster veröffentlicht dort eigene Gedanken in gar nicht mal so kurzen Texten, basierend auf seinen eigenen Erfahrungen als Entrepreneur und CEO, aber auch als Investor. Passend nennt er sein Blog „Both Sides of the Table“. Seine Texte zu lesen, ist wie geistiges Kaugummikauen. Ich beschäftige mich mit Gedanken, die mir nicht fremd sind, aber auch noch nicht in mein Bewusstsein vorgedrungen waren. It’s a quick read.

Menschen, denen ich sonst nie zuhören würde

Und dann sind da noch die Videos. Suster führt für den Web-TV-Sender ThisWeekIn Interviews mit allerlei Gründern und Investoren. Nicht die üblichen Verdächtigen und Keynote-speaker, sondern die weniger glamouröse zweite Reihe. Böse gesagt die Leute, die die wirkliche Arbeit machen. Suster hat einen eigenen Kanal genannt Venture Capital, die Interviews dauern über eine Stunde. Das lässt sich also nicht mal schnell wegkomsumieren, obwohl die Gespräche locker geführt werden.

Was mich selbst so verblüfft, ist, dass ich mir Interviews mit schmierigen Verkäufern anschaue. Sie haben ihren Platz in der Sendung, denn der Verkauf dessen, was man tut, ist genauso wichtig, wie die richtige Idee zu haben und dann auch noch das Produkt ohne großen Unfall zu bauen. Das sind dann aber doch keine Gebrauchtwagenverkäufer, sondern VP Sales oder Gründer, die in diesem Bereich ihren Schwerpunkt haben – Köpfe, in die ich sonst nie geschaut hätte.

Blogeinträge und Links

Mir ist dabei noch etwas klar geworden. Die Mischung macht es, wenn man selbst so einen ‚Distributionskanal‘ füllt. Ein Blog ist ein Blog ist ein Blog, aber Twitter ist etwas völlig anderes. Ich bin gerade dabei, diese Welt zu entdecken und habe mir endlich einen persönlichen Twitter-Account (@pgiesecke) zugelegt. Fünf Jahre nach allen anderen. Mein Plan ist derzeit, diesen mit meinen Netzausfällen zu füllen und vor allem mit meinen Links, die ich auf Delicious sammle. Fotos und Check-ins möchte ich nicht in die Öffentlichkeit tragen und auch nicht die Welt mit altklugen Aphorismen beglücken.

Sich selbst aus der Deckung zu wagen, zieht auch eine Pflicht nach sich. Vielen Bloggern wird das regelmäßige Schreiben irgendwann zur Last. Wieviele Blogs von vor sieben Jahren gibt es denn noch in dieser Form? Da ist manche Festung geschliffen worden – vom Eigentümer. Twitter ist für mich erst einmal nur ein Aggregat anderer Quellen, eingespeist über IFTTT. Technik ist in diesem Fall jedoch ein schlechter Gatekeeper, und ich muss aufpassen, dass ich nicht zu viele Links speichere, damit der Rauschpegel auf Twitter nicht zu hoch wird. Plötzlich habe ich das umgekehrte Problem: nicht zu viel zu sagen statt zu wenig.

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