Goethe rezitieren im Garten

Neulich hat mich ein Freund gefragt, ob ich mit ihm skypen wolle. Ich war ein wenig perplex. Das ist so gar nicht mein Ding. Wenn man mit meinem Neffen an einem Tisch sitzt, winkt er schonmal in den Laptop, der vor ihm steht. Er hat die Kamera an, und irgendjemand hört mit, was wir reden. Auch wenn ich gewollt hätte, mein Laptop ist eine Generation zu alt. Er hat noch keine Kamera, und die, die ich vor Urzeiten bei einem Pressegespräch von Freenet geschenkt bekommen hatte, eine kleine grüne Kugel, habe ich irgendwann meinem anderen Neffen geschenkt.

Wer in meinem Alter den ganzen Tag vor dem Rechner sitzt, liest dort wahrscheinlich regelmäßig über die Rückenschule (Balsam für die Seele) und erhebt sich bei Telefonaten vom Platz. Manchmal gehe ich nach draußen in den Garten, manchmal laufe ich auch bloß den Flur auf und ab. Ich kenne Leute, die halten dann dabei ihr Schnurloses in der Hand, den Lautsprecher an. Kinder sehen dabei witzig aus – kleines Kind, großes Telefon –, ich jedoch finde es unpraktisch. Von Gigaset habe ich nun ein Teil gesehen, das man sich an die Brust heften kann: Lautsprecher, Mikrofon, laut und leise, Gespräche beenden. Praktisch.

Das Problem dabei ist nur, dass sich das Gigaget L410 per DECT an einer Basisstation anmeldet, ich aber keinen Festnetzanschluss mehr habe. Ich telefoniere ausschließlich über mein Handy mit einer Allnet-Flatrate. Da brauche ich auch kein Skype. Der besagte Freund lässt meist nur einmal klingeln, ich rufe zurück. Wenn ich dann nun im Garten auf der Mauer stehe – den Stöpsel im Ohr und das Handy in der Tasche –, muss ich das Kabel mit dem Mikrofon von mir halten, um verstanden zu werden. Bei den Anzugträger auf dem Bahnsteig finde ich das immer affig, aber für meine Nachbarn sieht es wohl eher lustig aus. Da hält jemand eine Hand in Kinnhöhe und führt Selbstgespräche. Als ob ich Goethes Faust rezitieren würde. Manchmal winken sie auch.

Mit Kabel und langem Mikrofonarm

Irgendwo habe ich noch ein altes Headset liegen, aber es hält nicht so gut am Ohr, und der Akku ist ständig leer. Es stammt aus einer Zeit, als die Headsets immer kleiner und leichter wurden, das ist dann der Preis. Auf der Website von Gigaset habe ich auch Headsets für Mobiltelefone gesehen. Modelle, die anderswo leider aus der Mode gekommen sind. Bis auf eines alle mit Kabel und Mikrofon am langen Arm, damit es näher am Mund sitzt.

Das gilt übrigens auch für die Headsets für den PC. Die liegen nur auf einem Ohr auf, haben dort aber ein relativ großes Kissen für die Ohren (nennt man das so?). Vielleicht das in Verbindung mit einer schicken kleinen Kamera, die ich mir an Laptop oder Monitor stecken kann. Und dann doch mal wieder skypen. Oder was man heutzutage so macht. Da gibt es doch bestimmt was. Mal meinen Neffen fragen.

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