Bezahlen mit dem Handy – aber anders als gedacht

Ich habe schon einige Newsmeldungen über das Handy als Geldbörse geschrieben. Immer ging es darum, dass eine App auf dem Smartphone installiert wird, dass man einen Barcode scannen oder das Handy an ein NFC-Terminal halten muss, um schließlich eine PIN einzugeben und eventuell noch einen Transaktionscode, den man auf einem separaten Weg erhalten hat – alles der Sicherheit wegen. Mich erinnert das daran, wie ich vor über zehn Jahren zum ersten und zum letzten Mal bei einem Bäcker mit der Geldkarte gezahlt habe. Ich habe mich geschämt, die Leute hinter mir so lange warten zu lassen.

Fred Wilson schrieb vor einer Woche, dass es drei Wege gebe, das Geld eines Handybesitzers zu verdienen. 1. Man kann ihm eine App verkaufen oder etwas, das er aus der App heraus kauft (In-App-Purchase, bringt sogar mehr Umsatz). 2. Man kann im Werbung anzeigen, wobei der wenige Platz auf dem Smartphone-Display für Banner zu kostbar ist. Auch Werbeunterbrechungen funktionieren nicht auf dem Handy. Twitter könnte jedoch mit der Einbettung von Werbung in einen Stream einen einträglichen Weg gefunden haben.

Was mich verwundert hat, war sein dritter Punkt – nicht dass das Smartphone zur Geldbörse wird, sondern wie. Bezahlt wird ohne Terminal, ohne PIN, ohne alles. Es ist verblüffend einfach: Bei der Bestellung erfolgt der Geldtransfer automatisch. Das funktioniert mit einem festen Preis wie beim Ordern einer Pizza, aber auch verbrauchsabhängig. In San Francisco kann man das Taxi verlassen, ohne zu bezahlen, wenn die Bestellung über eine App auf dem Handy abgewickelt wurde. Der fällige Betrag wird automatisch abgebucht, die Kontodaten sind dafür beim Anbieter hinterlegt.

Im Prinzip kennt man das schon als 1-Click-Bezahlen von Amazon. Gerade in den USA ist es wichtig, als Unternehmen in den Besitz der Kreditkartendaten seiner Kunden zu gelangen. Es wird natürlich keiner jedem Pizzadienst – und zwar jedem aufs Neue – seine Kontodaten geben wollen. Dafür werden sich Clearingstellen finden, denen man vertraut. Vielleicht die Banken, vielleicht Paypal, aber vielleicht auch Google oder Amazon.

Dieser Schritt wäre in zweifacher Hinsicht ein Fortschritt. Nicht nur, dass man auf den Bezahlvorgang verzichten kann, es funktioniert auch auf jedem Handy, da keine App installiert werden muss. Das Internet ist die Plattform, nicht das Handy – und auch nicht das geschlossene System eines einzelnen Anbieters.

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1 Kommentar

  1. Werde niemals auf Online-Bezahlung umstellen. Aber ich weiß, dass die immer jünger werdenden Dumpfbacken sich alles aufdrängen lassen, ohne über die langfristigen, gesamtwirtschaftlichen Konsequenzen nachzudenken.

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