Google zerstört RSS-Infrastruktur

Google hat unlängst angekündigt, den Reader einzustellen. Seitdem werden zwei Dinge diskutiert: 1. Welche Alternative gibt es, RSS-Feeds zu lesen? 2. Wurde RSS nicht schon längst durch Facebook und Twitter abgelöst? – Beide Fragen zielen aber am eigentlichen Problem vorbei, denn es geht nicht bloß um Alternativen aus Sicht der Nutzer. Google zerstört auch ein Stück Infrastruktur. Unwiederbringlich.

Früher gab es einige Alternativen zum Google Reader. Es gibt zwei Gründe, weshalb diese nach und nach aufgegeben wurden. 1. Mit einem RSS-Reader lässt sich kein Geld verdienen. Kleine Projekte wurden mangels Resourcen eingestellt, große Unternehmen wollten nicht weiter investieren. 2. Ohne den RSS-Standard anzutasten, hat Google mit seiner Technik und mit seiner Marktmacht eine RSS-Infrastruktur aufgebaut, mit der andere Anbieter nicht mehr mithalten konnten.

Untrennbar mit der Suche verknüpft

Den zweiten Punkt muss ich erklären. Wenn ein RSS-Programm auf dem Desktop-Rechner neue Feeds abruft, kann das sehr lange dauern. Nach dem Knopfdruck werden dann bei Tech- oder Medien-Nerds mehrere hundert Server kontaktiert, um zu schauen, ob dort eine neue RSS-Datei liegt. Wenn ja, wird diese heruntergeladen.

Online-RSS-Reader vereinfachen diesen Prozess. Sie schauen nur einmal nach und informieren dann alle Abonnenten. Das entlastet sowohl die Server, auf denen der RSS-Feed liegt, als auch die vielen Rechner der RSS-Leser. Google hat damit ein Stück Infrastruktur geschaffen und diese so schnell so gut gemacht, dass andere Online-RSS-Reader in der Performance schnell abgeschlagen waren. Entsprechend haben die Nutzer dann ihren Liebling gewählt und Google zu einem Monopol verholfen. Entsprechend groß sind jetzt die Tränen.

RSS wird langsamer werden

Es spielt auch eine Rolle, wie häufig so ein Server abgefragt wird, dann gibt es noch diverse Pingmechanismen. Entscheidend ist aber, dass Google diese Technik so mit seiner Suchtechnik verknüpft hat, dass der Reader wohl nicht davon getrennt und als Open Source in die Freiheit entlassen werden kann. Beim gescheiterten Großprojekt Wave hatte Google das noch getan.

Mit dem Google Reader geht also auch ein Stück RSS-Infrastruktur verloren. Die Abfragen könnten in Zukunft länger dauern und/oder mehr Datenverkehr verursachen. Viele RSS-Reader, die bisher ihre Daten mit dem Google Reader synchronisiert haben, wollen nun selbst die RSS-Feeds abfragen. Das Ergebnis wird aber nicht das gleiche sein. Bei populären Feeds großer Anbieter mag das noch gelingen. Wie aktuell werden aber die Kommentar-Feeds eines unbedeutenden WordPress-Blogs sein? Da wird manches Gespräch aufgrund der verzögerten Benachrichtigungen im Sande verlaufen.

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