Ein Matching-Algorithmus beim Online-Dating, der funktionieren könnte

Beim Online-Dating wird in Deutschland eine recht alberne Unterscheidung gemacht. Einerseits gibt es die Singlebörsen, wo jeder ein eigenes Profil anlegen und andere Profile kontaktieren kann. Andererseits gibt es Online-Partnervermittlungen mit Persönlichkeitstests auf wissenschaftlicher Basis, die passende Partner vorschlagen wollen. Diese Unterscheidung ist natürlich Bullshit.

Viel Fassade, viel Marketing

So bieten auch Online-Partnervermittlungen die Möglichkeit, eigene Profile anzulegen. Wie bei den Singlebörsen können andere Teilnehmer kontaktiert werden. Und so wird es auch genutzt. Den Unterschied macht vor allem das Marketing. Den Anschein der Wissenschaftlichkeit lassen sich die Online-Partnervermittlungen mit teuren und langlebigen Abonnements bezahlen. Aber wenn auch Wissenschaftler angeheuert wurden, um die Matching-Algorithmen zu entwickeln, so sind diese dennoch nicht effektiv. Das sagen Leute, die dort mitgemacht haben. Das sagen aber auch andere Wissenschaftler.


Eli Finkel, Psychologie-Professor am Weinberg College of Arts and sciences und Professor für Management und Organisation an der Kellogg School of Management, hat im Rahmen der Konferenz TEDxNorthwesternU 2014 einen TED Talk gehalten: „Can technology bring us true love?“ Er beschäftigt sich eigentlich mit der Kompatibilität von Paaren. Online-Dating, das eine dauerhafte Partnerschaft zum Ziel hat, versucht, durch einem Matching-Algorithmus diese Kompatibilität bereits im Vorhinein zu erkennen.

Zwei Menschen zusammen anschauen, nicht einzeln

Bislang wurden auf Dating-Plattformen dafür immer individuelle Merkmale abgeglichen. Sie geht gerne ins Theater, er geht gerne ins Theater, so die simple Logik, das muss ja passen. Die etwas komplexere Variante davon: Nach dem Ausfüllen zweier langer Fragebögen steht am Ende eine Zahl, die die Passungen zweier Menschen ausdrücken soll. Je höher desto besser, aber das Date war dann letztlich nicht inspirierend. Pech gehabt. Finkel schlägt vor, Merkmale in Augenschein zu nehmen, die sich auf beide zusammen beziehen – wie also beide miteinander umgehen.

Damit ist sicherlich nicht gemeint, dass einfach nur gezählt wird, wer am häufigsten gegenseitig das Profil aufgerufen hat, ohne sich zu kontaktieren. Damit ist wohl auch noch nicht ein etwas komplexerer Algorithmus gemeint, der aus „A mag B“ schließt, dass A auch C mag, weil D sowohl B als auch C mag. Amazon halt. Mit einer entsprechend großen Datenmenge könnte dies sogar beim Online-Dating funktionieren.

Mit neuen Ansätzen gegen alte Plattformen

Finkel meint aber etwas anderes. Was die Psychologen als „nonconscious synchrony“ bezeichnen, soll ein guter Indikator für Kompatibilität sein. Zwei Menschen, die sich mögen, passen unbewusst ihre Sprache einander an. Während der eine plötzlich allzu grobe Umgangssprache vermeidet, lässt der andere ausnahmsweise ein paar lockere Sprüche einfließen. Weil man sich gegenseitig sypathisch findet. Auch die unbewusste Spiegelung von Mimik gehört dazu. Man könnte es auch einfach als „gute Chemie“ beschreiben.

Das Interessante dabei: Diese Phänomene lassen sich recht bald technisch erfassen. Wer ein iPhone nutzt, weiß, welche subtilen Muster der Sprachassistent Siri bereits jetzt erfassen kann. Auch eine Gesichtserkennung anhang von knapp hundert Merkmalen kann einen Bild recht zuverlässig eine Emotion zuordnen. Physiologische Daten, die sich zeitgleich verändern, sind zudem ein guter Indikator, also das sprichwörtliche Herzrasen. Demnächst gibt es das Fitness-Armband vielleicht von der Dating-Plattform.

Dieses Szenario bedingt allerdings eine Analyse in Echtzeit – zum Beispiel Online-Dating per Videochat. Ich bin skeptisch, ob ein Startup so etwas auf die Beine stellen könnte, aber ich glaube schon, dass neue Ansätze zeigen können, das Online-Dating in der jetzigen Form ziemlich ineffektiv ist.

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