Ich habe den Krautreportern kein Geld gegeben – warum auch?

Die Krautreporter haben ihr Ziel erreicht, 15.000 mal 60 Euro einzunehmen, um ihr Projekt zu starten. Ich bin erleichtert. Wenn es knapp geworden wäre, hätte ich im letzten Moment noch überwiesen. Aber das war dann nicht nötig, und so haben sie mein Geld nicht bekommen. Ich fürchte, dass ich die Krautreporter schon bald nach Erscheinen nicht mehr lesen werde. Und wem der zahlenden Leser das dann tatsächlich so gehen wird, zeigt sich in einem Jahr, wenn der nächste Aufruf zum Zahlen erfolgt.

Was ist der Gegenwert?

Es ist eine Frage des Gegenwerts, und der liegt im Ungefähren. Als ich vor über zwanzig Jahren die Zeit abonnierte, hatte ich mir vorher schon ein paar Einzelausgaben gekauft. Ich wusste, was mich erwartet, und hätte mir gewünscht, die Krautreporter hätten eine Testwoche abgeliefert – mit einem Artikel eines jeden Autors. Aber auch das wäre nicht das Problem gewesen, denn jeder Kauf ist letztlich eine Wette auf den Gegenwert. Hält das Produkt, was es verspricht? Doch bei den Krautreportern geht es nicht gar darum, der Leistung einen Wert beizumessen, es werden Spenden eingeworben.

Auch damit hätte ich kein Problem gehabt. Ich habe in diesem Jahr bereits 60 Euro gespendet – für das Tor-Projekt über die Wau Holland Stiftung und für das Hilfsprojekt Step by Step, das in Not geratene Menschen unterstützt. In beiden Fällen, so unterschiedlich sie auch sind, habe ich das Gefühl, einen Wert geschaffen zu haben. – Ich will hier keinem der Krautreporter absprechen, ein guter Journalist zu sein; oder thematisieren, wer wieviel letztlich für das Projekt arbeiten wird und wann es zu einer Plattform für Zweitverwertung wird, weil es sich doch mehr lohnt, für etablierte Medien zu schreiben. Und wenn der Krautreporter ein Erfolg wird, werden diese Angebote kommen. Falls nicht, dann wird der Rationalisierungsdruck, der sonst von den Verlagen ausgeht, bald wieder auf die Schreibenden verlagert werden.

Scheißt doch auf Google

Der Knackpunkt für mich ist, dass die Texte für jeden frei zugänglich sein werden – und damit ist vor allem Google gemeint. Es wird in den Reden der Eindruck erweckt, sich den öknomischen Zwängen des werbefinanzierten Onlinejournalismus entziehen zu wollen, und mit dieser Entscheidung wird sich dann doch dem Diktat der Reichweitenmaximierung unterworfen. Es wird bloß Relevanz genannt. Aber warum sollen Spiegel, FAZ und SZ nicht auch den Krautreporter abonnieren müssen, um mitzubekommen, was dort an Nachrichtenwert geschaffen wird? Es sollte sich mal jemand trauen, eine richtige Paywall zu errichten und für einen Geldbetrag einen richtigen Gegenwert zu liefern. Fünf Euro pro Monat für fünf gute Artikel an einem Wochentag würde ich gerne zahlen. Scheißt doch auf Google.

Das Spannende an diesem Projekt ist, dass hier nicht bei null angefangen wird, sondern mit 15.000 zahlenden Lesern. Crowdfunding macht dies möglich. Wenn ein Investor ein Projekt finanziert oder ein bestehender Verlag eine Entwicklungsredaktion gründet, es wird bei null angefangen. Dies ist hier anders. Dies macht die Krautreporter unterstützenswert. Dafür hätte ich auch in letzter Minute noch meinen Beitrag geleistet.

Ich bin jedoch gespannt, wieviele in einem Jahr noch für den Krautreporter zahlen werden.

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